Aus: Ausgabe vom 13.11.2017, Seite 8 / Ansichten

Zensor des Tages: »Queeres Verlegen«

Von Markus Bernhardt
2-format43.jpg
Die Messe »Queeres Verlegen«

Am kommenden Sonnabend findet in der Hipsterbar »Südblock« in Berlin-Kreuzberg eine großspurig als »Buchmesse Queeres Verlegen« deklarierte Veranstaltung von Berufsbetroffenen statt, die aus welchen Gründen auch immer der Überzeugung sind, Teil der politischen Linken zu sein. Sie betätigen sich als Gralshüter einer reinen Lehre und belästigen die Restlinke, die sich noch dem Kampf gegen Krieg und Sozialabbau verbunden fühlt, mit randständigen und teils äußerst psychotisch anmutenden Gefühlswelten um angeblich vorhandene Identitäten und Sexualpolitiken. Wer nicht bereit ist, dem individualistischen Irrsinn dieser »Aktivist*_Innen« Gehör zu schenken, oder es wagt, ihren Thesen mit Widerspruch zu begegnen, bekommt schnell Hass auf der ganzen Linie zu spüren.

Dieser gipfelt nicht selten in gewalttätigen Übergriffen, ehrverletzenden Diffamierungskampagnen oder – wie im Falle des im linkspolitischen Querverlag erschienenen und zu Recht kritisierten Bandes »Beißreflexe« – im Aufruf zur Bücherverbrennung. Der von Patsy l’Amour laLove, die sich selbst als »Geschlechterforscherin« und »Polittunte« bezeichnet, herausgegebene und von der Rosa-Luxemburg-Stiftung (RLS) geförderte Sammelband ist tatsächlich deutlich zu kritisieren. Unter anderem wegen des antimuslimischen Rassismus, der sich durch einige Beiträge zieht. Nachdem das Orgateam den Querverlag von der »Messe«, die übrigens ebenfalls von der RLS unterstützt wird, auslud, sagen nun immer mehr Verlage ihre Teilnahme ab. Sie sehen die Meinungsfreiheit und politische Streitkultur in Gefahr. Messeveranstalter und die übergroße Mehrheit der »Beißreflexe«-Autoren hätten dabei äußerst gut zusammengepasst. Sie eint ihre Vorliebe für reaktionäre Politikstile und ihre Nichtakzeptanz von Meinungsfreiheit.


Debatte

Bewerte diesen Artikel:

Mehr aus: Ansichten