Aus: Ausgabe vom 06.11.2017, Seite 8 / Ansichten

Warnung vor Krieg

Donald Trumps Korea-Politik

Von Knut Mellenthin
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Proteste gegen drohenden Krieg: Demonstration nahe der US-Botschaft in der südkoreanischen Hauptstadt Seoul (5.11.2017)

Insgesamt 16 US-amerikanische Abgeordnete und Senatoren haben ihre Regierung am Wochenende aufgefordert, alle politischen Mittel auszuschöpfen, um einen Krieg auf der Koreanischen Halbinsel zu vermeiden. Die Unterzeichnenden sind ehemalige Angehörige der Streitkräfte. Ihr Appell ist vor allem gegen die frivole und ignorante Leichtfertigkeit gerichtet, mit der sich Donald Trump zu diesem Thema äußert. Der leidenschaftliche Twitterer hatte der Internetwelt am 1. Oktober mitgeteilt, sein Außenminister Rex Tillerson solle aufhören, seine Zeit mit Verhandlungsbemühungen »zu vergeuden«. Und am 7. Oktober schob der Präsident nach: Nordkorea habe die US-Diplomaten »zum Narren gehalten«. »Sorry, aber nur eine Sache wird funktionieren!«

An welche »Sache« er dabei dachte, ließ Trump offen. Die 16 Kongressmitglieder – 15 Demokraten, aber auch ein Republikaner – befürchten offenbar das Schlimmste. Ein zweiter Koreakrieg könne zum Tod von Hunderttausenden, wenn nicht sogar von Millionen Menschen schon in den allerersten Tagen führen, warnen sie. »Der Präsident muss aufhören, provokative Bemerkungen von sich zu geben, die diplomatische Optionen behindern und amerikanische Truppen noch mehr Gefahren aussetzen.«

Die Unterzeichner stützen ihre Argumentation auf eine Analyse des Wissenschaftlichen Dienstes des Kongresses (CRS) und auf eine Stellungnahme des Generalstabs. In der CRS-Studie wird angenommen, dass bei einem Krieg auf der Koreanischen Halbinsel bis zu 25 Millionen Menschen beiderseits der die Grenze zwischen den beiden koreanischen Staaten bildenden Demarkationslinie sterben könnten und dass unter den Toten mehr als 100.000 US-Bürger sein könnten. Der Hintergrund: Die südkoreanische Hauptstadt Seoul liegt nur etwa 50 Kilometer von der Grenze entfernt und könnte von Zehntausend Geschützen der DVRK erreicht werden. Zu den 25 Millionen Einwohnern des Großraums Seoul gehören auch 140.000 US-Bürger.

Die am Wochenende bekanntgewordene Stellungnahme des Generalstabs ist die Antwort des Pentagon auf eine Anfrage zweier demokratischer Abgeordneter. Sie wollten wissen, mit wie vielen Opfern bei einer militärischen Konfrontation zu rechnen wäre. Dieser Frage wich der Generalstab mit dem Hinweis aus, dass die Kriegsfolgen von zu vielen unbekannten Faktoren abhängig sein würden. Außerdem könne darüber nicht öffentlich gesprochen werden. Die zentrale Aussage der Militärs ist jedoch, dass zur vollständigen und zuverlässigen Ausschaltung der nordkoreanischen Atomwaffen eine Invasion US-amerikanischer Bodentruppen erforderlich wäre. Außerdem könne die Demokratische Volksrepublik den Einsatz von chemischen und biologischen Waffen in Erwägung ziehen.

Nur wenig beruhigend: Mit einem Überraschungsangriff der USA ohne vorherige Evakuierung ihrer Zivilisten aus Südkorea ist vermutlich nicht zu rechnen.

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