• Pol & Pott

Aus: Ausgabe vom 04.11.2017, Seite 8 (Beilage) / Wochenendbeilage

Orangensalat mit Fenchel und Oliven

Von Ina Bösecke

In »Golden Door« (Italien, Frankreich 2006) von Emanuele Crialese macht sich eine arme Bauernfamilie Anfang des 20. Jahrhunderts auf den langen Weg von Sizilien in die Vereinigten Staaten. Kurz vorher befragt der Vater noch die Madonna des Ortes, eine Holzfigur auf einem Steinhügel, ob sie das in Ordnung fände. Himmlische Zeichen kommen schon früher an, als Postkarten aus dem gelobten Land. Darauf sind Zwiebeln so groß wie die Menschen. Geld hängt an den Bäumen. Ob es solche Postkarten wirklich gab? Und glaubten die Menschen tatsächlich an diesen Humbug? In der Bauernfamilie kann niemand lesen und schreiben.

Die Überreise ist beschwerlich. Der verwitwete Vater, seine zwei pubertären Söhne und seine Mutter reisen auf einem Schiff zusammen mit Hunderten anderen Ausreisewilligen. An Bord ist es eng. Man träumt weiter davon, wie es in Amerika wohl sein mag. Dort bade man in Milch und Honig, sagt einer. Die anderen lachen, aber man sieht, dass sie es nicht für unmöglich halten. Der sizilianische Vater (Vincenzo Amato) verliebt sich in eine schöne englische Dame (Charlotte Gainsbourg). Sie wirkt mit ihren feinen Kleidern ein bisschen verloren zwischen den Armen. Aber auch sie hat kein Geld und braucht, um einreisen zu können, einen Mann, der sie heiratet.

Die beeindruckendste, gleichwohl abschreckendste Szene sehen wir bei der Ankunft in Amerika. Die Leute dürfen nicht sofort ins Land, sondern müssen Tests und Untersuchungen in einem Auffanglager über sich ergehen lassen. So wollen die Amerikaner verhindern, dass sich dumme und zurückgebliebene Leute unter sie mischen. »Was für eine moderne Einstellung«, sagt die Engländerin und meint es auch so. Einer der Söhne ist stumm, die Großmutter störrisch. Sie dürfen die neue Welt nicht betreten. Möchte man überhaupt in dieses Amerika einreisen? Wer sich die Armut und die Kargheit der Anfangsbilder vor Augen führt, versteht, warum die Menschen sich auf alles mögliche einlassen, um das sogenannte bessere Leben zu finden.

Die neue Welt hat auch ihr eigenes Essen. In einer der letzten Szenen sitzen die Neuankömmlinge in einer riesigen Halle zum Essen. Sie beißen in das Brot, das auf den Tisch liegt. »Wie eine Wolke, so weich«, sagt einer skeptisch. Die sizilianische Küche hat mehr zu bieten.

Orangensalat mit Fenchel und schwarzen Oliven: Zwei Orangen schälen, in Scheiben schneiden. Saft in einer Schüssel auffangen. Orangenscheiben auf einer Platte ausbreiten. Eine kleine Fenchelknolle putzen, die harten äußeren Teile entfernen, Rest in kleine Würfel schneiden. Eine Zwiebel in sehr feine Ringe schneiden. Aufgefangenen Orangensaft mit einem EL Weißweinessig, vier EL Olivenöl verquirlen. Einen TL Rosmarin fein hacken, untermischen. Mit Salz und Pfeffer abschmecken. Fenchelwürfelchen gründlich in der Sauce wenden, herausnehmen, auf den Orangenscheiben verteilen. Zwiebelringe auf den Salat aufstreuen. Eine Handvoll schwarzer Oliven ohne Stein, in Scheiben geschnitten, auf dem Salat verteilen. Die restliche Sauce über den Salat träufeln. Grob aus der Mühle pfeffern, mit Fenchelgrün garnieren.


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