Aus: Ausgabe vom 02.11.2017, Seite 15 / Medien

Verstimmung in der Branche

Medientage München im Zeichen der Konkurrenz. Ein Kommentar

Von Dieter Schubert
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Spricht vom fehlenden »Level Playing Field«: RTL-Chefin Anke Schäferkordt während der Medientage München

Vergangene Woche fanden die alljährlichen Medientage München statt (jW berichtete). Wenn sich die Szene trifft, geht es um vielerlei: um ein bisschen Klamauk, darum, eine gute Performance abzuliefern und nebenbei »Content« zu generieren. Doch im Mittelpunkt steht das Geschäft – so auch in Bayerns Landeshauptstadt.

Unablässig versucht die Branchenspitze, dem zwar inzwischen weitgehend vermessenen, aber dennoch nicht richtig zu greifenden »User« (bzw. altmodisch Leser, Hörer, Zuschauer) auf die Schliche zu kommen. Denn einerlei, wie man zum Konsumentenvolk stehen mag, es braucht davon eine kritische Masse, um im (Werbe-)Geschäft zu bestehen. Zugleich soll diese entsprechend stimuliert bzw. »geschubst« werden (engl. to nudge), damit sie eifrig konsumiert. Das Ideal: der lenkbare Verbraucher. »Nudgin-Papst« Richard Thaler aus den USA bekam immerhin jüngst den »Wirtschaftsnobelpreis«.

Die Medienkonzerne (und andere auch) haben einen geschlossenen Kreislauf im Sinn, in dem sie und die werbende Wirtschaft eine »Win-Win-Situation« schaffen. Und gar nicht so ganz nebenbei sollen die Nutzer auch ideologisch auf Linie gebracht bzw. gehalten werden. Allerdings wird das nicht im Klartext formuliert.

Vor allem aber ist da die lästige Konkurrenz durch die »Digitalen«, die ihre Inhalte übers Internet verbreiten und die Werbegelder abkassieren – allen voran die großen Netzwerke wie Facebook oder Google. Doch auch die vermeintlich Kleinen im Netz haben den Monopolstatus der Medienkonzerne untergraben. So mutieren unscheinbare Formate unversehens zu millionenschweren Kombattanten gegen die Etablierten – man braucht nur die Zugriffszahlen auf diverse Youtube-Anbieter zu betrachten, von denen »mittelständische Zeitungsunternehmen« nur träumen können. Außerdem bieten zahllose Blogs und Formate Informationen nach Maß – auch ideologisch passend. Der »Kampf gegen Fake News« ist nicht zuletzt eine Reaktion auf diese Konkurrenz.

Heftiger Widerstand von Springer, Burda, Bertelsmann und Co. gilt weiterhin der »unzulässigen« Konkurrenz durch die öffentlich-rechtlichen Medien. Immerhin würden die mit acht Milliarden Euro Gebühren pro Jahr subventioniert und dehnten sich ständig auf neue Geschäftsfelder aus, auch und vor allem im Netz. RTL-Chefin Anke Schäferkordt monierte in München das fehlende »Level Playing Field«.

Zwar wissen die Großverleger, dass Kapitalismus ohne Konkurrenz nicht zu haben ist und der »Informationsauftrag« der Öffentlich-Rechtlichen gilt. Doch dass die Eingriffe des Staates den Interessen des private Kapitals schaden, gehört eben nach ihrer Ansicht nicht zu den Spielregeln.


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