Aus: Ausgabe vom 28.10.2017, Seite 11 / Feuilleton

Halb so schlimm.

Ausstellung_Hinter_d_55154820.jpg
»Die Rote Fahne – Kampf, Leid und Sieg« von Willi Sitte im Museum Barberini

»Vor der für Herbst geplanten Ausstellung ›Hinter der Maske. Künstler in der DDR‹ (...) darf einem angst und bange werden«, hieß es in diesem Feuilleton Anfang des Jahres anlässlich der Eröffnung des »Museums Barberini« in Potsdam. Jetzt ist es soweit und halb so schlimm.

Am Samstag abend wird Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier die Schau eröffnen. Mehr als 100 Werke aus dem sozialistischen Deutschland werden bis 4. Februar zu sehen sein, verhältnismäßig viele Selbstporträts, Gruppenbildnisse und Atelierbilder, erstmals seit langer Zeit auch 16 großformatige Werke aus der Galerie des Palasts der Republik.

Neben Gemälden werden Fotografien, Grafiken und Collagen gezeigt. Ein Raum ist Skulpturen gewidmet. »Im Mittelpunkt stehen die Künstler und ihr Selbstverständnis«, sagt Museumsdirektorin Ortrud Westheider. 87 Künstler sind vertreten. Es geht den Machern weniger darum, was die gemeinsam hatten, die Unterschiede sind wichtig. Und natürlich die Abgrenzung vom Arbeiter- und Bauernstaat. So sind die Bilder aus dem Palast der Republik »nicht Teil der eigentlichen Ausstellung«, darauf legt Kurator Michael Philipp Wert. Gezeigt werden sie vielmehr »als Dokumentation einer staatspolitischen Inszenierung zur Repräsentation«. Immerhin hebt er den Seltenheitswert noch hervor. Seit dem Abriss des Palasts waren die Bilder nur wenige Wochen im Deutschen Historischen Museum zu sehen. Im übrigen werde vor dem Hintergrund der staatlichen Repräsentationskunst nur »umso deutlicher«, wie reich das künstlerische Leben gewesen sei, dass sich in der DDR jenseits davon entfaltet habe.

Das Museum im Palais Barberini ist kein staatliches. Es gehört dem SAP-Milliardär Hasso Plattner, der das Palais 2013 bei einem Abendessen mit Günther Jauch und dem damaligen SPD-Ministerpräsidenten Matthias Platzeck gewissermaßen auf dem Silbertablett serviert bekam. Seine Sammlung ist die Sammlung des Museums, und die umfasst inzwischen auch 80 Werke aus der DDR, vor allem Malerei der Leipziger Schule. Wie Westheider versichert, soll auch dieser Teil der Sammlung weiter ausgebaut werden. In der neuen Ausstellung macht er aber nur einen kleineren Teil aus. Und so kann man diese mit Einschränkung am Ende durchaus empfehlen. Die Originale von Strawalde, Heisig, Mattheuer, Penck, Sitte, Tübke u. Co. sind den Besuch allemal wert. Die Erläuterungen kann man sich im Zweifel sparen. (dpa/jW)


Debatte

Bewerte diesen Artikel:

Infos und Verweise zu diesem Artikel:

Ähnliche:

Regio:

Mehr aus: Feuilleton