Aus: Ausgabe vom 23.10.2017, Seite 7 / Ausland

Santiago Maldonado ist tot

Argentinien: Angehörige identifizieren Leichnam des im August »verschwundenen« Aktivisten

Vermisster_Aktivist_55084329.jpg
Mütter der unter der Militärdiktatur »Verschwundenen« demonstrieren am vergangenen Donnerstag in Buenos Aires

Der in der vergangenen Woche im Süden Argentiniens aufgefundene Leichnam ist der des im August »verschwundenen« Menschenrechtsaktivisten Santiago Maldonado. Der Körper des 28jährigen Künstlers, der sich für die Rechte der Ureinwohner in Patagonien eingesetzt hatte, war am Dienstag im Fluss Chubut gefunden worden. Am Freitag identifizierte seine Familie den Leichnam. Sein Bruder Sergio Maldonado erklärte vor der Leichenhalle in Buenos Aires: »Wir haben Santiagos Tätowierungen erkannt, so dass wir sicher sind, dass er es ist.« Die Autopsie sei für die kommenden Tage geplant und werde weitere Erkenntnisse bringen.

Vor dem Gebäude kamen zahlreiche Menschen zusammen, die Blumen niederlegten und Kerzen entzündeten. Am Samstag versammelten sich auf der Plaza de Mayo im Zentrum der argentinischen Hauptstadt Buenos Aires rund 10.000 Menschen, um von der Regierung die Aufklärung der Todesumstände zu fordern. Zudem verlangten sie den Rücktritt der für die Sicherheitsbehörden zuständigen Ministerin Patricia Bullrich. »Santiago wurde von der Polizei getötet«, riefen die Demonstranten in Sprechchören. Die Menschenrechtsorganisation Amnesty International forderte die Regierung auf, »eine unabhängige Untersuchung zu garantieren«.

Santiago Maldonado war am 1. August bei einer Demonstration der Mapuche-Ureinwohner in der Stadt Cushamen von der Militärpolizei festgenommen und seither nicht mehr gesehen worden.

Das »Verschwinden« Maldonados rief in Argentinien Erinnerungen an die Zeit der Militärjunta (1976–1983) wach. Unter deren Herrschaft waren in dem südamerikanischen Land 30.000 Menschen ermordet worden oder »verschwanden« spurlos.

Die Familie macht die Regierung von Präsident Mauricio Macri sowie die Militärpolizei für den Tod Maldonados verantwortlich. Der Staatschef wies die Anschuldigungen zurück und verteidigte das Vorgehen der Militärpolizei in Cushamen. Dort hatten die Mapuche gegen den Verkauf des von ihnen beanspruchten Landes an den italienischen Modeunternehmer Luciano Benetton protestiert, der in Patagonien rund 900.000 Hektar Land besitzt. (AFP/jW)


Debatte

Bewerte diesen Artikel:

Mehr aus: Ausland