Aus: Ausgabe vom 14.10.2017, Seite 8 / Ansichten

Gratulationsempfänger des Tages: Stefan Huth

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Wer als Mitarbeiter zu jW stößt, bekommt es mit einer »See von Plagen«, wie Shakespeare Hamlet seufzen ließ, und nicht nur äußeren, zu tun. Wer allerdings jW-Chefredakteur wird, über dem schlägt die »sea of troubles« ständig zusammen. Unabhängigkeit einer Tageszeitung von Konzernen, von Parteien und Staat ist im Stammland europäischer Restaurationen und Konterrevolutionen nicht vorgesehen. Die Existenz einer linken, antifaschistischen, einer täglichen Zeitung gegen den Krieg, deren Auflage auch noch steigt, schon gar nicht. Sie wird gelesen, aber beschwiegen, bei Gelegenheit mit Hohn und Spott übergossen, von angeblichen Freunden aufs Messer bekämpft, dem Staat, den Kriegsparteien und ihren Sprachrohren ist sie ein »linksextremistisches« Greuel.

Stefan Huth ist seit dem 1. August 2016 jW-Chefredakteur. Er wird an diesem Sonnabend 50 Jahre alt, und wir gratulieren von ganzem Herzen.

Seit diesem Augusttag 2016 ist ein gutes Jahr vergangen, die Veränderungen zum Schlechteren in der Welt und hierzulande beschleunigten sich seither, das Datum scheint viel länger zurückzuliegen. Stefan hat es nicht nur geschafft, den Kurs des jW-Schiffes zu halten, sondern auch viel unternommen, damit es weiter stabil bleibt.

Er behält, liebenswürdig und zugleich verbindlich genau, wie er ist, den Kopf oben – die vielleicht wichtigste Eigenschaft für einen, der die Welt auf eben den, auf Vernunft, Aufklärung und Denken, stellen will. Durchhaltevermögen in finsteren Zeiten hat etwas mit Geduld, Zähigkeit und Klarheit im Kopf zu tun, vor allem aber mit solchem »Geist«. Stefan ist einer von dessen Leuten. So erscheint es folgerichtig, dass er nach dem Studium von Germanistik und Anglistik und einigen Jahren Tätigkeit als Lehrer seine Arbeit großen marxistischen Denkern widmete, insbesondere als Assistent des Musikwissenschaftlers Georg Knepler (1906–2003). 2002 kam er zu jW, übernahm 2004 vertretungsweise das Ressort »Thema« und leitete es mit großem Erfolg ab 2005, wechselte 2012 in die Chefredaktion und wurde vier Jahre später deren Leiter. Seine Aussichten: Die »troubles« nehmen eher zu als ab. Mit Widerstand dagegen hat er sich und andere gewappnet. Vielen herzlichen Dank dafür und weiterhin viel Erfolg!

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