Aus: Ausgabe vom 21.10.2017, Seite 8 / Ansichten

Gegenddarstellung: Arnold Schölzel

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Darauf achten Journalisten bei anderen Journalisten: Kann jemand gut schreiben? Und auch schnell? Haben die Texte eine Haltung, idealerweise eine linke und radikale? Arnold Schölzel ist so ein Journalist. Am Samstag wird er 70. Herzlichen Glückwunsch!

Man kann sich mit ihm sehr gut unterhalten. Viele halten ihn für den klügsten unter den jW-Redakteuren. Vermutlich ist er deshalb der Rekord-Chefredakteur dieser Zeitung geworden: 16 Jahre an der Spitze. Das hat vor ihm keiner geschafft, weder in der DDR noch in der BRD. Eine Ära, in der er die Zeitung auf Kurs hielt, gegen die »Unsympathen« aller Orten, wie er gerne sagt. Gegen die Imperialisten, Krieger und Verblöder im Weltausbeutungszusammenhang.

Arnold ist Internationalist. Er sagt, er sei kein Ossi, sondern aus Bremen. Er wollte genau wissen, was politisch möglich ist, und desertierte von der Bundeswehr in die DDR und nicht nach Westberlin wie viele andere. Erst war er Fabrikarbeiter in Leipzig, später promovierter Philosoph in Berlin. Sein Lehrer war der kommunistische Hegelianer Friedrich Kumpf.

Arnold beherzigt den Hegel-Satz »Die Philosophie aber muss sich hüten, erbaulich sein zu wollen«. Das Feuilleton von junge Welt baute er 1997 nach der Abspaltung der Jungle World trotzdem neu auf (zusammen mit Conny Lösch und Christof Meueler). 2000 wurde er Chefredakteur. Einer, der bei offener Tür arbeitet. Und überhaupt findet er Gespräche über Peter Hacks, Arno Schmidt, Karl August Wittfogel oder die letzte Sendung von »Die Anstalt« anregender als irgendwelche Selbstdarstellungen. Antiquariate, Restaurants und Reisen sind ihm ebenfalls wichtig. Zum Glück ist er als stellvertretender Chefredakteur noch mindestens zwei Tage die Woche in der jW. Ansonsten ist er aufklärerisch unterwegs. Für die Marx-Engels-Stiftung, Rotfuchs oder andere Kräfte, die gegen die »Unsympathen« sind. Gehen Sie mal hin, wenn er in Ihrer Nähe ist. Man kann sich sehr gut mit ihm unterhalten.

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