Aus: Ausgabe vom 19.10.2017, Seite 5 / Inland

Einigung auf neuen Baumindestlohn

Weiterhin keine Facharbeiterbezahlung für Ostdeutsche

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Mehr Geld: Auf dem Bau wird der Branchenmindestlohn zum 1. Januar 2018 angehoben

Hunderttausende Bauarbeiter in der Bundesrepublik erhalten ab kommendem Jahr mehr Geld. Der entsprechende Branchenmindestlohn wird zum 1. Januar erhöht. Das teilten die Industriegewerkschaft Bauen, Agrar, Umwelt (IG BAU) und die beteiligten Unternehmerverbände Hauptverband der Deutschen Bauindustrie (HDB) sowie Zentralverband des Deutschen Baugewerbes (ZDB) am Mittwoch in Frankfurt am Main mit.

In der dritten Verhandlungsrunde am Dienstag abend habe man sich auf eine Anhebung des Baumindestlohns in zwei Schritten geeinigt. Demnach steigt die bundesweit geltende Lohnuntergrenze in der Branche für Ungelernte am Bau (»Mindestlohn 1«) ab Januar 2018 von 11,30 Euro auf 11,75 Euro und ab dem 1. März 2019 auf 12,20 Euro in der Stunde. Der »Mindestlohn 2 (West)« für Facharbeiter wird ebenfalls in zwei Stufen auf 15,20 Euro pro Stunde in den alten Bundesländern und auf 15,05 Euro in Berlin angehoben. Die Laufzeit des neuen Mindestlohntarifvertrags endet am 31. Dezember 2019.

»Die Verhandlungen standen mehrfach vor dem Scheitern. Das hätte ab 1. Januar einen Mindestlohn von 8,84 Euro bedeutet«, sagte der stellvertretende IG-BAU-Bundesvorsitzende Dietmar Schäfers. »Mit diesem Ergebnis haben wir einen wichtigen Beitrag zur Sicherung des fairen Wettbewerbs und fairer Arbeitsbedingungen für alle Beschäftigten am Bau erzielt.«

Die Gewerkschaft hatte ursprünglich eine Erhöhung des Baumindestlohns für Facharbeiter auf 15,60 Euro gefordert. Der für Ungelernte sollte nach ihren Vorstellungen auf 12,50 Euro in der Stunde angehoben werden. Zudem hatte die IG BAU die Wiedereinführung des Mindestlohns für Facharbeiter im Osten angestrebt.

Während es beim Baubranchenmindestlohn in den westlichen Bundesländern und in Berlin zwei Lohngruppen gibt – eine niedrige für ungelernte Beschäftigte, die einfache Bau- und Montagearbeiten nach Anweisung ausführen, und eine höhere für Facharbeiter, die spezialisierte Tätigkeiten wie das Asphaltieren, Verputzen oder das Bedienen und Warten von Baumaschinen wahrnehmen –, existiert in den sogenannten neuen Ländern nur die untere Lohngruppe. Der Facharbeitermindestlohn wird den ostdeutschen Bauarbeitern somit vorenthalten. Westdeutsche Beschäftigte, die im Osten arbeiten, nehmen ihren Facharbeitermindestlohnanspruch hingegen dorthin mit.

Nach Angaben der Unternehmerverbände erhalten etwa 200.000 von insgesamt knapp 800.000 Beschäftigten im hiesigen Bauhauptgewerbe den Mindestlohn. Die alten Mindestlöhne für das Bauhauptgewerbe wurden im Mai 2013 festgelegt und durch das Bundesarbeitsministerium per Rechtsverordnung für die Branche zwingend vorgeschrieben. (dpa/jW)

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