Aus: Ausgabe vom 12.10.2017, Seite 14 / Feuilleton

Nachschlag: »Vergast und vergessen«

Feature | Di., 19.10, DLF

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Seit Herbst 2016 wird im marokkanischen Rif-Gebirge gegen die Vernachlässigung der Region und die Korruption und den Machtmissbrauch der Behörden protestiert (Demonstranten bergen einen Verletzten, Al Hoceima im Juli 2017)

Als Spanien Anfang der 20er Jahre das Rif-Gebirge im Norden Marokkos einnehmen wollte, den es als »Protektorat« beanspruchte, wurde es von den dortigen Stämmen zurückgeschlagen, die darauf die »Rif-Republik« gründeten. Unter ihrem Anführer Mohammed ben Abdelkrim Al-Khattabi hielten sie jahrelang nicht nur der spanischen, sondern auch der französischen Kolonialmacht stand, die Madrid zu Hilfe eilte. Um ihren Widerstand zu brechen, war insbesondere Spanien jedes Mittel recht: so auch Giftgas, produziert mit deutscher Hilfe. In großem Stil wurde es aus Flugzeugen auf die Bevölkerung abgeworfen, um diese in Elend und Tod zu stürzen – mit Folgen bis heute. So verdienstvoll es ist, an den Rif-Krieg 1921–27 als eines der großen Verbrechen des 20. Jahrhunderts und nicht zuletzt an den »Emir Guerillero« Abdelkrim zu erinnern, ein Vorbild Ho Chi Minhs und Che Guevaras – es fehlte ein Hinweis, dass marokkanische Polizeikräfte seit Monaten gegen Proteste im nach wie vor unterdrückten Rif vorgehen. (jt)


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