Aus: Ausgabe vom 13.10.2017, Seite 9 / Kapital & Arbeit

Atomstrom statt Verbrennungsmotor

Frankreichs Hauptstadt Paris will bis 2030 Benzin- und Dieselautos verbannen

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In den kommenden zwölf Jahren müssen viele Steckdosen her: Elektroauto in Paris

Spinnen die Gallier, oder sind sie Avantgarde? Ab 2030 sollen in Paris nur noch Elektroautos auf den Straßen rollen. Bis dahin sollten Kraftfahrzeuge, die Diesel und Benzin brauchen, aus der französischen Hauptstadt verbannt werden, teilte deren Verwaltung am Donnerstag mit. Zwar habe die Regierung bereits vor, in ganz Frankreich ab dem Jahr 2040 Verbrennungsmotoren zu verbieten. Metropolen wie Paris bräuchten dafür aber Vorlauf, sagte der im Bürgermeisteramt für Transport zuständige Beamte, Christophe Najdovski. Transport sei der Hauptverursacher von Treibhausgasen, deren Freisetzung müsse zum Schutz der Umwelt eingedämmt werden. Paris verfolgt bereits Pläne, nach den Olympischen Sommerspielen 2024 keine Dieselfahrzeuge mehr zuzulassen.

Die Metropole hat schon autofreie Zonen und autofreie Tage bestimmt. Zudem werden Fahrer bestraft, die mit mehr als 20 Jahre alten Wagen nach Paris hineinfahren. Die Kommune wurde deshalb vielfach kritisiert. andererseits besitzen viele Bewohner der Hauptstadt kein Auto und verlassen sich auf das gut ausgebaute öffentliche Verkehrsnetz. In jüngster Zeit nutzen die Bürger auch verstärkt Angebote von Mieträdern, -rollern und ebensolchen schadstoffärmeren Hybridfahrzeugen.

Nein, die Gallier sind nicht allein bei ihrem Vorstoß – auch wenn sie besonders tolle Voraussetzungen besitzen, denn das Land setzt nach wie vor nahezu vollständig auf Atomstrom. In anderen Ländern sind die Tage des Verbrennungsmotors nach jetzigem Stand der Dinge ebenfalls gezählt: Großbritannien will ab 2040 keine neuen Fahrzeuge mit diesem Antrieb mehr zulassen. China – zweitgrößter Luftverschmutzer der Welt nach den USA und weltweit größter Automarkt – plant ebenfalls den Abschied von Benzin- und Dieselautos, nennt aber dafür noch keinen Zeitpunkt. Auch in Deutschland ist noch nicht über einen Ausstiegszeitpunkt entschieden worden, obwohl verschiedene Umweltverbände dies fordern und Parteien darüber nachdenken. (Reuters/jW)

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