Aus: Ausgabe vom 07.10.2017, Seite 5 / Inland

Atomtransport blockiert

Aktivisten stoppen Güterzug zur Uranaufbereitungsanlage in Gronau

Atomkraftgegner_stop_54941781.jpg
Nach der Auflösung der Blockade: Eine Atomkraftgegnerin wird von der Polizei in einen Krankenwagen verfrachtet

Atomkraftgegner haben mehr als zwölf Stunden lang die Bahnstrecke bei Gronau im Münsterland blockiert und so einen Zug mit radioaktivem Material aufgehalten. Die Protestaktion richtete sich gegen die dortige Uranaufbereitungsanlage.

In der Nacht von Donnerstag auf Freitag war auf der Strecke von Münster nach Gronau für den Zugverkehr kein Durchkommen mehr: Insgesamt sechs Aktivisten hatten sich am frühen Abend an Betonteile am Gleis gekettet, wie ein Sprecher der Polizei am Freitag sagte. Zuvor hatten zwei auf den Gleisen stehende Personen den Zug gestoppt. Dieser habe problemlos anhalten können. Die Anti-AKW-Aktivisten verhinderten so – zumindest vorübergehend –, dass der mit Uranhexafluorid beladene Zug die Uranaufbereitungsanlage in Gronau erreichte. Die Bahn richtete daraufhin auf der auch von Personenzügen befahrenen Strecke einen Ersatzverkehr mit Bussen ein.

Nach Angaben der Polizei lösten Einsatzkräfte die Blockadeaktion bereits am Freitag morgen wieder auf. Gegen 9.15 Uhr sei der letzte Aktivist unter Einsatz von Spezialgerät vom Gleis entfernt worden. Wenig später sei die Bahnstrecke wieder frei gewesen. Die Polizei nahm insgesamt zwölf Atomkraftgegner vorübergehend in Gewahrsam. Gegen die ­Aktivisten wurde ein Ermittlungsverfahren wegen des Verdachts auf Behinderung des Bahnverkehrs eingeleitet.

In der von der britischen Urenco-Gruppe betriebenen Anlage in Gronau wird Uran für Brennelemente aufbereitet. Die Atomkraftgegner kritisierten, dass die Einrichtung trotz des beschlossenen Atomausstiegs weiterhin eine unbefristete Betriebsgenehmigung besitze. Mit der Aktion am Donnerstag habe man die »menschen- und umweltverachtende Uranverarbeitung« unterbrechen wollen, erklärten die Blockierer. (dpa/jW)

Lesen und lesen lassen (Login erforderlich) Ich will auch!
Mehr aus: Inland