Aus: Ausgabe vom 06.10.2017, Seite 6 / Ausland

Symbol des Kampfes

Im bolivianischen Vallegrande hat eine internationale Konferenz zu Ehren Che Guevaras begonnen

Von Volker Hermsdorf
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In Vallegrande wurde der Leichnam Che Guevaras zur Schau gestellt. Heute ist die damalige Waschküche eine Gedenkstätte

In Bolivien ist am gestrigen Donnerstag in der Kleinstadt Valle­grande am Rande der Anden eine internationale Konferenz aus Anlass des 50. Todestages des kubanisch-argentinischen Revolutionärs Ernesto Che Guevara eröffnet worden. Das Welttreffen zu Ehren des ermordeten Freiheitskämpfers ist auf fünf Tage angesetzt, erklärte Boliviens Präsident Evo Morales am Dienstag auf einer Pressekonferenz im Regierungspalast in La Paz. Zur zentralen Abschlussveranstaltung auf dem Flughafen der Kleinstadt werden am Montag neben Morales die Vizepräsidenten Kubas und Venezuelas, die Kinder und einige der Geschwister Guevaras sowie Vertreter weiterer Länder Lateinamerikas und der Karibik erwartet.

Der Ort der Veranstaltung hat historische Bedeutung. Che Guevara war am 8. Oktober 1967 im nahegelegenen La Higuera von Soldaten des bolivianischen Putschgenerals René Barrientos Ortuño gefangengenommen und einen Tag später auf Anordnung des US-Geheimdienstes CIA erschossen worden. Seine Leiche wurde nach Vallegrande gebracht, ausgestellt, fotografiert und anschließend – nachdem man die Hände abgetrennt hatte – heimlich auf dem Flugplatz begraben.

50 Jahre später besteht der heutige bolivianische Präsident Evo Morales darauf, dass Soldaten seines Landes an der Ehrung des Guerilleros teilnehmen. »Die Streitkräfte werden mich wie immer begleiten«, sagte der Präsident, nachdem bürgerliche Medien über Proteste konservativer Offiziere berichtet hatten. »Dank der Kämpfe unserer Vorfahren und der indigenen Aufstände gegen die europäische Invasion sind wir heute Antiimperialisten.« Die Ideen Che Guevaras seien heute so aktuell wie nie zuvor. Sein Kampf sei ein Beispiel für die Völker der Region, besonders in Zeiten, »in denen der US-Imperialismus und Teile der internationalen Rechten nicht aufhören, progressive Regierungen Lateinamerikas anzugreifen«. Über Twitter verbreitete Morales später: »Der Kampf der Menschheit ist der zwischen Sozialismus und Kapitalismus und der Völker gegen Imperien, die uns beherrschen wollen. Diesen Kampf hat Che gekämpft.«

Boliviens Kulturministerin Wilma Alanoca hatte das Rahmenprogramm der Veranstaltungsreihe bereits in der Nacht zum Mittwoch eröffnet. »Ich lade ganz Bolivien und – über die sozialen Netzwerke – auch die ganze Welt dazu ein, zu uns nach Vallegrande zu kommen«, erklärte Alanoca. »Kommt nach Bolivien, damit wir gemeinsam in die Welt hinausrufen, dass der Kampf, die Revolution und die Suche nach dem neuen Menschen fortgesetzt werden.«

Erwartet werden in Vallegrande Tausende Teilnehmer aus Argentinien, Kuba, Ecuador, Venezuela, Brasilien und Peru sowie die Vertreter sozialer Bewegungen des Kontinents und aus anderen Erdteilen. Am heutigen Freitag beginnt im Rahmen des Veranstaltungsprogramms ein zweitägiges Forum über die Ideen und das Denken Che Guevaras. Geplant sind außerdem Diskussionen über Leben und Werk des Revolutionärs, Workshops zur Medienarbeit, Treffen von Intellektuellen und Künstlern sowie Konzerte, Ausstellungen und Filme. Zum Programm gehören außerdem Rundgänge zu den historischen Kampfplätzen von Ches Guerillaorganisation ELN (Nationale Befreiungsarmee). In den elf Monaten bis zu ihrer Zerschlagung konnte die Gruppe in dem Gebiet 22 Aktionen durchführen.

»Ein halbes Jahrhundert nach den Vorgängen hier zu sein, ist für mich sehr wichtig, weil dies ein Ort ist, der zum Nachdenken anregt«, sagte der Bolivianer Juan José Mendoza, der aus der 360 Kilometer entfernten Stadt Cochabamba nach Vallegrande gekommen war, im Gespräch mit der kubanischen Nachrichtenagentur Prensa Latina. »Durch Che wurden Bolivien und Kuba verbrüdert.« José Sergio Rodríguez, der aus der argentinischen Provinz Salta angereist ist, erklärte die Teilnahme von vielen jungen Menschen an den Veranstaltungen damit, dass Che Guevara bis heute »ein Symbol für Gleichheit und den Kampf für die Unterdrückten« sei.

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