Jetzt drei Wochen gratis lesen.
Gegründet 1947 Dienstag, 27. September 2022, Nr. 225
Die junge Welt wird von 2651 GenossInnen herausgegeben
Jetzt drei Wochen gratis lesen. Jetzt drei Wochen gratis lesen.
Jetzt drei Wochen gratis lesen.
Aus: Ausgabe vom 23.09.2022, Seite 11 / Feuilleton
Xylotherapie

Wald, Holz, Holzhacken, das ist es immer gewesen

Von Marc Hieronimus
imago0002863643h.jpg
Holzhacken – ein kontemplatives Geschäft

Eine zu entwickelnde Heilart, die Holzkur oder auch SPL (sanitas per lignum). Die Xylotherapie geht weit über das Umarmen von Bäumen hinaus. Der ganze Wald ist eine Heilquelle. Anders als Tiere ist Holz aber auch tot noch behaglich zu streicheln. Was ist ein PVC- verglichen mit einem Eichendielenboden, was ein IKEA-Pressspan-»Möbel« im Vergleich zu einem ollen Schlafzimmerschrank aus Buche? Das Größte aber ist Holzhacken. Eigentlich ist es nämlich Holzspalten (frz. »fendre du bois«) und als solches zugleich präzise und doch rohe Gewalt. Man legt die zu spaltende Holzscheibe von sagen wir 60 Zentimeter Durchmesser und 30 bis 40 Zentimeter Tiefe auf den Bock, klöppelt den ersten Keil fest, stellt sich breitbeinig auf, hebt den kiloschweren Hammer in die Höhe und donnert ihn mit aller Kraft auf den Keil. Wiederholen. Handschuhe tragen! Beim zweiten, dritten Keil bricht das Holz auseinander. Nun geht es wie bei kleineren Scheiben oder größeren Aststücken mit der nicht minder schweren Kreuzaxt weiter. Holzhacken ist kathartisch, alle Aggression verschwindet. Der alte Wilhelm Zwo schwor nicht umsonst darauf. Und wie das duftet! Manchmal fallen fingerdicke Larven oder fast fertige Käfer aus dem Holz und wirken verwirrt, ganz wie die Plackerei auch manch große, wenngleich unreife Idee aus dem Kopf schüttelt. Nach getaner Arbeit stapelt man die Scheite zur weiteren Trocknung mannshoch unter dem Vordach, um sie am Ende in wohlriechenden Rauch aufgehen zu lassen, ohne dabei den eigenen CO2-Abdruck zu erhöhen – dieser Kohlenstoff gehörte ja ohnehin in den Kreislauf.

Drei Wochen kostenlos lesen

Die Tageszeitung junge Welt stört die Herrschenden bei der Verbreitung ihrer Propaganda. Sie bezieht eine aufklärerische Position ohne Besserwisserei und wirkt durch Argumente, Qualität, Unterhaltsamkeit und Biss.

Überprüfen Sie es jetzt und testen die junge Welt drei Wochen lang (im europäischen Ausland zwei Wochen) kostenlos. Danach ist Schluss, das Probeabo endet automatisch.