Aus: Ausgabe vom 23.09.2017, Seite 8 / Ansichten

Glaskugelbefrager des Tages: Demoskopen

Von Michael Merz
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Ob Säulen oder Kuchen, die Demoskopen wissen von nichts

Es geht um die Wurst, und das scheint ihnen aufgegangen zu sein. Dass Angela Merkel wieder Bundeskanzlerin und Martin Schulz ihr Vize wird, ist klar wie Kloßbrühe. Doch wenn es um die drittplazierte Partei bei der Bundestagswahl geht, zucken die Demoskopen mit den Schultern und bedienen sich – in ihrer Branche nicht untypisch – einer angelsächsischen Floskel: »Too close to call«. Keine Festlegung also. Hätten sie das schon bei den letzten Landtagswahlen, der »Brexit«-Abstimmung oder der US-Wahl so gehandhabt, peinlicher Reputationsverlust wäre ihnen erspart geblieben. Die SPD wird in NRW und Schleswig-Holstein garantiert wieder stärkste Kraft, die Briten wollen ganz sicher in der EU bleiben, Trump wird mit Pauken und Trompeten untergehen, hatten die Meinungsforscher mit Inbrunst prognostiziert.

Als nichts davon eintraf, kamen sie etwas ins Schwitzen, hatten aber im Werkzeugkasten der empirischen Sozialforschung auch dafür eine Begründung: Ihre Weissagungen seien im Rahmen statistischer Unschärfen durchaus in Ordnung gewesen. Nur lagen diese eben voll daneben.

Sieben Umfrageinstitute konkurrieren darum, ihre Prognosen unters Volk zu bringen. Einige von ihnen haben deutliche Schlagseite mit Präferenzen für bestimmte Parteien. Ihre Zahlen haben durchaus Wirkung, denn viele Wähler möchten auch gewinnen und dem, der ohnehin vorn liegt, ihre Stimme geben – der »Winner takes it all«-Effekt. Nach wie vor wird von ein paar tausend Leuten, die ausschließlich über das antiquierte Festnetz angerufen und befragt werden, auf die gesamte Bevölkerung geschlossen. Doch nicht ihre Methodik verbessern die Institute, um genauer zu werden und uns sagen zu können, ob letztlich Die Linke, die AfD, die Grünen oder die FDP auf dem dritten Platz landen werden. Stattdessen heißt es jetzt »Mein Name ist Hase ...«.


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