Aus: Ausgabe vom 21.09.2017, Seite 2 / Ausland

Verheerendes Erdbeben

Hunderte Tote in Mexiko nach starken Erschütterungen

Von Volker Hermsdorf
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In Trümmern: Vor allem die Hauptstadt Mexiko-Stadt war von der Naturkatastrophe betroffen (19.9.2017)

In Mexiko steigt die Zahl der Opfer nach dem verheerenden Erdbeben weiter an. Am Dienstag hatte ein Beben der Stärke 7,1 auf der nach oben offenen Richter-Skala die Millionenmetropole Mexiko-Stadt erschüttert. Zahlreiche Gebäude stürzten ein. In einer Schule kamen mindestens 32 Kinder ums Leben. Am Mittwoch meldete der Koordinator des Zivilschutzes um ein Uhr morgens (Ortszeit) bereits 226 Tote im ganzen Land, die meisten davon in der Hauptstadt. Rettungskräfte suchten mit Hochdruck nach Überlebenden. Doch die Zahl der Toten musste im Laufe des Tages immer wieder nach oben korrigiert werden. In der Metropole wurde Katastrophenalarm ausgerufen.

Zahlreiche Opfer gibt es auch im angrenzenden Bundesstaat Morelos sowie im rund 120 Kilometer südlich von Mexiko-Stadt gelegenen Bundesstaat Puebla, wo das Epizentrum lag. Nahezu die Hälfte der Hauptstadt und rund 60 Prozent des Bundesstaates Morelos waren in der Nacht ohne Strom. Das Telefonnetz brach über mehrere Stunden zusammen, das Internet fiel zeitweise komplett aus, beschädigte Krankenhäuser wurden evakuiert.

In Mexiko-Stadt und Puebla wurde der Unterricht an den Schulen eingestellt. Das VW-Werk in Puebla wurde beschädigt, und die Beschäftigten wurden nach Hause geschickt. Laut einer Unternehmenssprecherin wurde die Produktion dort jedoch in der Nachtschicht wieder aufgenommen. Im Werk des Autoherstellers Audi in San José Chiapa waren die Erdstöße ebenfalls zu spüren. Die laufende Schicht wurde daraufhin beendet, die Nachtschicht komplett abgesagt. Mexikos Präsident Enrique Peña Nieto berief seinen nationalen Krisenrat ein. Oberste Priorität hätten nun die Suche nach Vermissten und die medizinische Versorgung der Verletzten, erklärte er. Erst vor knapp zwei Wochen waren rund 100 Menschen im Land bei einem Beben der Stärke 8,2 ums Leben gekommen. Am 7. September lag das Zentrum jedoch im Pazifik und erschütterte vor allem den Süden, während es in Mexiko-Stadt weniger stark zu spüren war.

Dort ereignete sich das erneute Erdbeben genau 32 Jahre nach einer der größten Katastrophen in der Geschichte des Landes. Am 19. September 1985 hatte die Erde in Mexiko-Stadt gebebt und große Teile der Metropole zerstört. Damals starben mehr als 10.000 Menschen. Am Dienstag hatte die Regionalregierung deshalb in Erinnerung an das Unglück um elf Uhr zu einer Gedenkminute und der jährlich durchgeführten Erdbebenkatastrophenübung aufgerufen. Um 13.15 Uhr heulten die Sirenen in Mexiko-Stadt dann erneut, doch dieses Mal war es kein Probealarm. »Die Erde bebte, Gebäude schwankten, Scheiben barsten, und die Menschen liefen panisch auf die Straßen«, berichteten Augenzeugen. Hunderttausende Mexikaner mussten in der Nacht zum Mittwoch in Notunterkünften oder im Freien schlafen. Viele haben jetzt Angst vor gefährlichen Nachbeben.

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