Aus: Ausgabe vom 20.09.2017, Seite 16 / Sport

Ein bisschen viel

Von André Dahlmeyer
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In Aktion: Nacional’s Agustin Rogel (l.) und Peñarol’s Ramon Arias während des Derbys am 17.9.

Am 5. Spieltag des Torneo Clausura trafen im Estadio Centenario des Barrio Parque Batlle von Montevideo die beiden populärsten Teams Uruguays aufeinander: Der Club Nacional de Football empfing den Club Atlético Peñarol. Zusammen haben sie 94 Meisterschaften des »Paisito« auf dem Buckel, einige davon noch aus der Amateurära. Nacional, der Klub der Intellektuellen (Mario Benedetti und Eduardo Galeano waren zwei ihrer bekanntesten Fans), holt seit dem Millennium immer mehr auf, doch der Arbeiterklub Peñarol, auch »Carbonero« (Köhler) genannt, liegt noch immer mit zwei Titeln vorn.

Die beiden Klubs dominieren den uruguayischen Fußball dermaßen, dass es ihren Anhängern beinahe wie Teufelswerk vorkam, als 1976 überraschend der Defensor Sporting Club (hieß damals noch anders) erstmals Landesmeister wurde. Bis dahin, und also seit Einführung des Profifußballs 1932 im Uruguay, hatten Nacional und Peñarol alle Meisterschaften unter sich ausgemacht. Seitdem schaffte es Defensor noch dreimal, den Titel zu gewinnen, zuletzt in der Saison 2007/08. Dem Danubio Fútbol Club gelang dies zwischen 1988 und 2013/14 ebenfalls viermal. In der Profiära sind bislang nur Central Español (1984), Progreso (1989) sowie Bella Vista (1990) einmalige Coups geglückt. Noch nie wurde ein Verein uruguayischer Meister, der nicht aus Montevideo war (auch nicht zu Amateurzeiten).

Weit draußen vor der Stadt, fast am internationalen Flughafen Carrasco, hat sich Peñarol mit dem »Estadio Campeón del Siglo« (Jahrhundertmeister) auf Pump eines der modernsten Stadien Südamerikas errichtet. 2010 war der einstige Stadtviertelverein von der IFFHS (The International Federation of Football History and Statistics) zum besten Team der Amerikas des 20. Jahrhunderts gekürt worden. Seit den 90er Jahren war das hauseigene Damiani-Stadion aus Sicherheitsgründen für Erstliga-Spiele gesperrt, Peñarol musste seine Heimspiele im ungeliebten Centenario austragen. Dort war man nun zu Gast.

Mit dabei war der bereits vorige Saison von Independiente gekommene Nationalspieler Cristian »Cebolla« Rodríguez (Ex-Atlético Madrid). Vor der aktuellen Saison verpflichtete der »Carbonero« auch noch den dreimaligen WM-Teilnehmer Maxi Rodríguez (Newell’s Old Boys) sowie Lucas Viatri von Estudiantes de La Plata. Man könnte meinen, ein bisschen viel für Nacional.

Dennoch war die erste Halbzeit ausgeglichen, der »Tricolor« begann sogar aggressiver. Nach einer halben Stunde gerieten Diego Polenta und Fabián Estoyanoff aneinander und durften duschen gehen. Erst eine Viertelstunde vor Schluss ging Peñarol durch einen Strafstoß von »Cebolla« Rodríguez mit 1:0 in Führung. Zehn Minuten darauf lenkte Nacionals Innenverteidiger Agustín Rogel eine Rechtsflanke des gerade eingewechselten Mathías Corujo in bester Mittelstürmermanier in den eigenen Kasten zum 2:0 Endstand für die Gelb-Schwarzen. Das Match hätte auch gut und gerne Remis ausgehen können, doch einmal kratzten die Peñaroler die Pille gerade noch von der Linie, ein anderes Mal war ein Pfosten dazwischen.

Peñarol konnte endlich mal wieder gegen den Erzrivalen gewinnen und steht mit maximaler Punktausbeute an der Ligaspitze, während Nacional auf einen trüben achten Platz (von 16) abrutschte, mit nun schon acht Punkten Rückstand. Zwei Punkte hinter Peñarol lauert Defensor Sporting, das im heimeligen Estadio Luis Franzini den »kleinen Klassiker« gegen Danubio nach einer Ecke durch einen Volley-Kracher von Gonzalo Maulella mit 1:0 für sich entschied.


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