Aus: Ausgabe vom 15.09.2017, Seite 1 / Titel

Deir Al-Sor vor Befreiung

Syrische Armee rückt mit Verbündeten auf von Islamisten kontrollierte Stadt vor. Gespräche in Astana begonnen

Von Karin Leukefeld
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Offensive zur Rückeroberung von Deir Al-Sor: Syrische Soldaten in der Wüstenregion Badia

Während in der kasachischen Hauptstadt Astana die sechste Gesprächsrunde zu Syrien begonnen hat, haben die syrische Armee und ihre Verbündeten den Wettlauf um die Kontrolle von Deir Al-Sor für sich entschieden. »Dank der Opferbereitschaft der Armee, der Entschlossenheit des syrischen Volkes und der Unterstützung seiner Alliierten« komme das Land dem Sieg immer näher, sagte Präsident Baschar Al-Assad am Mittwoch bei einem Treffen mit Teilnehmern einer internationalen Gewerkschaftskonferenz in Damaskus. Am Tag zuvor hatte Assad den russischen Verteidigungsminister Sergej Schoigu empfangen, der ihm ein Schreiben von Präsident Wladimir Putin überbrachte.

Die Offensive der syrischen Armee und ihrer Verbündeten Russland, Iran und der libanesischen Hisbollah zur Befreiung der ostsyrischen Gas- und Ölmetropole Deir Al-Sor hatte Ende August begonnen. Von drei Seiten marschierten die Streitkräfte auf die Stadt: von Westen aus Palmyra, von Südwesten aus der Region Badia und von Süden aus Al-Majadin.

Unterstützt von Angriffen der russischen Luftwaffe, war es vergangenen Dienstag gelungen, den Belagerungsring zu durchbrechen, den die auf arabisch »Daesch« abgekürzte Miliz »Islamischer Staat« (IS) vor drei Jahren um Deir Al-Sor errichtet hatte. Strategisch wichtige Hügel, Dörfer sowie Öl- und Gasfelder im Umland wurden eingenommen. In der Nacht zu Donnerstag stieß die Armee zu ihren auf dem Flughafen von Deir Al-Sor eingeschlossenen Militäreinheiten vor. Ebenfalls kontrolliert sie in weiten Teilen die wichtige Verbindungsstraße nach Abu Kamal.

Am Donnerstag meldete die syrische Armee die Einnahme der Dschasira-Universität. Das Verteidigungsministerium in Moskau teilte mit, dass zwei russische U-Boote aus dem östlichen Mittelmeer Marschflugkörper auf IS-Stellungen im Umland von Deir Al-Sor gefeuert hätten. »Kommandozentren, Kommunikationsstellen und Munitionsdepots« seien zerstört worden. Den Dschihadisten sei in der Stadt ihre bisher schwerste Niederlage zugefügt worden.

Man werde nun den Ring um die verbliebenen Daesch-Kämpfer immer enger ziehen, hieß es aus syrischen Armeekreisen. Ziel sei, die Islamisten vollständig aus Deir Al-Sor und Syrien zu vertreiben. Eine Fluchtmöglichkeit gibt es für sie derzeit nur über den Euphrat nach Osten. Durch US-Angriffe waren bereits in den Jahren 2014 und 2015 die Brücken über den Fluss zerstört worden.

Nach US-Angaben haben Kampfjets der von Washington geführten »Anti-IS-Koalition« ebenfalls Stellungen von Daesch im Osten und Norden von Deir Al-Sor angegriffen. Aus dem nördlich der Stadt gelegenen Khaburtal haben Kampfverbände der kurdisch dominierten »Syrischen-Demokratischen Kräfte« (SDK) unter dem Kommando eines kürzlich auf US-Initiative gegründeten »Militärrates« von Deir Al-Sor ihrerseits eine Offensive gegen Daesch begonnen. Eine Koordination mit der syrischen Armee gebe es jedoch nicht.

Russland lieferte unterdessen Hilfsgüter an die mehr als 100.000 verbliebenen Einwohner Deir Al-Sors und entsandte Minenräumkommandos. Die syrische Regierung kündigte einen Wiederaufbauplan an.

Am gestrigen Donnerstag begann in der kasachischen Hauptstadt Astana eine neue Gesprächsrunde zwischen Vertretern bewaffneter Gruppen und der syrischen Regierung. Die Garantiemächte des Treffens sind Russland, Iran und die Türkei. Möglich ist, dass auch für die von der Nusra-Front kontrollierte Provinz Idlib ein Deeskalationsabkommen ausgehandelt werden könnte.

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