Aus: Ausgabe vom 14.09.2017, Seite 16 / Sport

Dreier ins Herz

Zum EM-Aus der deutschen Basketballer gegen Spanien

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Einer, der auf Gold steht: Dennis Schröder

Nach dem EM-Viertelfinalaus kam Dennis Schröder am Dienstag abend als letzter aus der deutschen Kabine und rang sich ein Lächeln ab. »Die Dreier der Spanier haben uns gekillt«, resümierte der NBA-Jungstar mit seinem goldenen Rucksack auf dem Rücken das 72:84 (33:34) gegen den Titelverteidiger. Mit hängendem Kopf war der 23jährige unter dem Applaus des Publikums in Istanbul vom Feld geschlichen. Trotz einer erneuten Galavorstellung des gebürtigen Braunschweigers verfehlte das Team des scheidenden Bundestrainers Chris Fleming die erste Halbfinalteilnahme seit zwölf Jahren. »Wir haben uns nichts vorzuwerfen«, sagte Kapitän Robin Benzing. »Wir haben gekämpft und Herz gezeigt.«

Schröder war mit 27 Punkten erneut bester Werfer und legte acht Assists auf, konnte die neunte Niederlage in Serie gegen die Iberer damit aber nicht verhindern. Der Nationalmannschaft wird er erhalten bleiben. »Im Juni gegen Serbien bin ich auf jeden Fall wieder dabei, wenn ich fit bin.« Zum Auftakt der WM-Qualifikation im November wird Schröder wie auch Daniel Theis und die weiteren NBA-Profis Maximilian Kleber und Paul Zipser fehlen, da die beste Liga der Welt ihren Spielbetrieb während der Länderspiele fortsetzt. Deshalb steht auch Chris Fleming als Bundestrainer nicht mehr zur Verfügung – der Coach konzentriert sich auf seine Arbeit als Assistent beim NBA-Club Brooklyn Nets.

Anders als noch beim Achtelfinalcoup gegen Frankreich erwischte das deutsche Team am Dienstag einen Traumstart und lag bald 11:2 in Führung. Die Iberer kamen heran, die Deutschen hielten dagegen, gingen im dritten Abschnitt noch mal in Führung. Doch gegen Ende dieses Abschnitts erzielte Marc Gasol dann zwölf spanische Punkte in Serie. Die 65:53-Führung wurde bis zum Schlusspfiff höchst abgeklärt verwaltet. Spanien trifft nun im ersten Halbfinale auf das ebenfalls noch ungeschlagene Slowenien um NBA-Star Goran Dragic, der beim Viertelfinalsieg gegen Lettland (103:97) mit 26 Punkten glänzte. Jungstar Luka Doncic war in der hochklassigen Partie mit 27 Zählern bester Werfer des Siegerteams. Für Lettland waren selbst 34 Punkte von NBA-Profi Kristaps Porzingis zu wenig.

Um die nähere Zukunft des deutschen Basketballs muss einem nicht bange sein. Der frühere Bundestrainer Dirk Bauermann hält große Stücke auf den designierten Bundestrainer Henrik Rödl: »Ein Basketballer durch und durch. Jemand, der das Spiel liebt, akribisch arbeitet.« Allerdings werden beim WM-Quali-Auftakt im November wegen eines Dauerstreits des Weltverbands FIBA mit der Euroleague wohl auch die Spieler von Teilnehmern an der europäischen Königsklasse fehlen, darunter Center Johannes Voigtmann, der für Vitoria in Spanien spielt. »Das ist viel zuviel Politik, es geht darum: Wer ist der Mächtigere?« sagte Voigtmann nach dem EM-Aus in Istanbul. »Das ist mir alles zu blöd.« (sid/dpa/jW)

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