Aus: Ausgabe vom 14.09.2017, Seite 3 / Schwerpunkt

»Aufarbeitung von unten«

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Vermummte und Protestierende am 8. Juli in Hamburg

Raum und Gelegenheit, »verschiedene Erzählungen und Wahrheiten des G-20-Protests zusammenzutragen und aufzuarbeiten«, soll eine Veranstaltung im Musiksaal des DGB-Hauses am Besenbinderhof in Hamburg (nahe Hauptbahnhof) am morgigen Freitag bieten. Unter dem Titel »G 20 – das war der Gipfel, Aktivisten und Betroffene berichten« lädt die Kontaktstelle Soziale Bewegungen der Linksfraktion im Bundestag zu der Veranstaltung ein, die der »Aufarbeitung von unten« Schwung verleihen soll.

Von 16 bis 22 Uhr werden diverse Beobachter, Aktivisten und Politiker über die verschiedenen Aspekte der Gipfelproteste und der Repression gegen diese Art des Aufbegehrens berichten. Nach einer Einleitung soll es im ersten Teil unter der Überschrift »Nicht schlafen, nicht duschen, nicht essen« um das Verbot der Camps von Gipfelgegnern auf der Elbinsel Entenwerder, im Stadtpark und im Volkspark gehen. Unter anderem werden Augenzeugen von den Schikanen der Polizei berichten.

Im zweiten Teil ab 18 Uhr wird das Thema »Polizeigewalt« diskutiert, die es laut einem Diktum von Hamburgs Ersten Bürgermeister Olaf Scholz (SPD) beim Gipfel nicht gegeben habe. Augenzeugen berichten von der Auflösung der »Welcome-to-hell«-Demonstration am 6. Juli, dem Angriff einer Einheit der Bundespolizei auf einen Aufzug am 7. Juli im Industriegebiet Rondenbarg, von den Übergriffen gegen Unbeteiligte im Schanzenviertel und das im Nachhinein als Versehen deklarierte Aufbringen eines Busses des Jugendverbandes »Die Falken«.

Der dritte und letzte Teil der Veranstaltung steht unter der Überschrift »Solidarität und Spaltung – die Proteste gegen den G-20-Gipfel im Kontext einer von oben betriebenen Politik der Angst«. Dabei geht es unter anderem um die Initiative für einen unabhängigen Untersuchungsausschuss zum Gipfel, die Blockadeaktionen am 7. Juli, die Demo am 8. Juli mit rund 76.000 Teilnehmern und die Betreuung der G-20-Gefangenen. Eine Anwohnerin der Schanze berichtet über Stadtteilarbeit nach G 20.

In der Einladung zur Veranstaltung heißt es: »Wir hoffen darauf, dass dies nur ein Auftakt für die notwendige Aufarbeitung gegen die organisierte Verantwortungslosigkeit der Politik
des Hamburger Senats ist.« Wer nicht im DGB-Haus dabeisein kann, hat die Möglichkeit, die Veranstaltung im Livestream zu verfolgen. (kst)

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