Aus: Ausgabe vom 13.09.2017, Seite 8 / Ansichten

Fake-Copyright-Inhaber des Tages: Naruto

Von Jana Frielinghaus
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Der Makake Naruto, wohnhaft auf der indonesischen Insel Sulawesi. Das Bild ist nicht das umstrittene Selbstporträt. Dieses darf nun nicht mehr frei verbreitet werden

Ein kleiner Schritt für Naruto, aber ein großer für seine und andere Spezies. Die Organisation PETA (People for the Ethical Treatment of Animals, Menschen für die ethische Behandlung von Tieren) hat, wie Medien am Dienstag berichteten, erfolgreich die Urheberrechte des Makaken verteidigt. Am Montag hat sie sich darüber außergerichtlich mit dem Naturfotografen David J. Slater geeinigt. Der hatte Naruto vor sechs Jahren auf der indonesischen Insel Sulawesi kurz eine Kamera überlassen. Er lächelte verschmitzt, drückte auf den Auslöser und produzierte so ein süßes »Selfie«.

PETA forderte nun 2015 im Namen des »nichtmenschlichen Tieres«, dass dieses als Urheber an den Einnahmen aus der Verbreitung des Bildes beteiligt werden müsse. Wer nun aber glaubt, Naruto könne jetzt endlich mal auf Kreuzfahrt gehen oder sich eine neue Kücheneinrichtung leisten, hat sich geirrt. Slater willigte vielmehr ein, 25 Prozent aller mit dem Foto künftig erzielten Einnahmen nicht ihm, sondern Organisationen zu überweisen, die sich nach eigenen Angaben für den Schutz der Makaken in Indonesien einsetzen.

PETA behauptet, im »Interesse« aller Tiere zu handeln. In dieser Logik hatte die Organisation zunächst argumentiert, sie selbst sollte das Copyright am Affenselfie bekommen. Slater hatte das zunächst für einen Fall von Wahnsinn gehalten. Da PETA aber eine teure Anwaltsfirma bezahlen kann, lenkte er nun offenbar ein. Es fragt sich, was nun mit dem Recht von Katzen, Hunden, Störchen oder Zebras an ihrem eigenen Bild ist. Millionenfach verbreiten Leute ungefragt Schnappschüsse von ihnen im Internet. Müssen sie sich künftig auf Geldbußen einstellen, zu entrichten an PETA und Co.? Ganz zu schweigen von den Tausenden, die Videos von Missgeschicken ihrer kleinen Lieblinge an »Upps! Die Pannenshow« senden. Sicherer vor Strafverfolgung sind in jedem Fall diejenigen, denen die Würde ihrer Mitmenschen am Allerwertesten vorbeigeht.

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