Aus: Ausgabe vom 11.09.2017, Seite 1 / Titel

Sturm peinigt Karibik

Hurrikan »Irma« hat in Kuba schwere Schäden verursacht. In Florida wurden 6,5 Millionen Menschen evakuiert

Von Volker Hermsdorf
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Eine Frau und ihr Kind retten sich in Kuba vor dem Starkregen, den Wirbelsturm »Irma« ausgelöst hat

Wirbelsturm »Irma« hat in der Karibik eine Schneise der Verwüstung hinterlassen und mindestens 25 Menschen in den Tod gerissen. Am Sonntag (Ortszeit) erreichte der Sturm Florida. Mit einer Stärke der Kategorie vier traf »Irma« auf die südliche Spitze des US-Bundesstaats und die davorliegenden Florida Keys. Von Fort Myers bis hoch nach Tampa haben sich die Menschen auf das Schlimmste vorbereitet. Lokale Medien meldeten bis Redaktionsschluss am Sonntag bereits drei Tote, in mehr als 250.000 Haushalten fiel der Strom aus. Weil Florida oberirdische Stromleitungen hat, könnte »Irma« Beobachtern zufolge auf seinem Weg über Florida eine Millionen Menschen von der Versorgung abschneiden.

Zuvor war das Auge des – zwischenzeitlich wieder zur höchsten Kategorie fünf hochgestuften – Hurrikans zwei Tage lang von Ost nach West über die kubanische Nordküste gezogen. Bis zu sieben Meter hohe Wellen, Windgeschwindigkeiten von 260 Kilometern pro Stunde und Stark­regen richteten schwere Verwüstungen an. In weiten Teilen des Landes brach die Stromversorgung zusammen. Menschen kamen jedoch nicht ums Leben – die Hälfte aller Bewohner war evakuiert worden.

Im gesamten »Sunshine State« Florida waren am Wochenende die Menschen auf der Flucht vor »Irma«. Der Nationale Wetterdienst hatte eine Warnung für die gesamte Südküste vom Atlantik bis in den Golf von Mexiko herausgegeben. Die Landesregierung forderte mehr als 6,5 Millionen Einwohner der gefährdeten Gebiete auf, sich außerhalb ihrer Wohnorte in Sicherheit zu bringen – was rund ein Drittel der Bevölkerung Floridas ausmacht. »Wenn Sie Ihr Zuhause nicht bis heute abend verlassen, müssen Sie auf eigenes Risiko aus diesem extrem gefährlichen Sturm herauskommen«, sagte Floridas Gouverneur Richard Scott am Sonnabend. Schulen, Universitäten und öffentliche Einrichtungen wurden bis einschließlich Montag geschlossen. US-Präsident Donald Trump mahnte, »auf die Empfehlungen der Behörden zu hören«. Überall in Florida bildeten sich auf den Straßen lange Staus, und die wenigen Autobahnen gen Norden waren hoffnungslos verstopft. Vielerorts wurde der Treibstoff knapp. »Irma« ist der stärkste atlantische Hurrikan, der jemals gemessen wurde, und in seinen Ausmaßen so groß wie der Staat Florida selbst. Allein das im Zentrum liegende Auge des Wirbelsturms hat einen Durchmesser von rund 70 Kilometern.

In Haiti, der Dominikanischen Republik und dem US-Außengebiet Puerto Rico hatte »Irma« in der letzten Woche geringere Schäden verursacht, als befürchtet worden war. Sehr schwer getroffen hat es dagegen die Kleinen Antillen, deren nördliche Inseln in der Nacht zum Sonntag zudem von einem weiteren Wirbelsturm namens »José« gestreift worden waren. Von der Insel Barbuda, auf der nach dem Durchzug von »Irma« kaum noch ein Haus steht, waren die Bewohner vorsorglich auf die Nachbarinsel Antigua in Sicherheit gebracht worden. Auch auf St. Martin, einer zwischen den Niederlanden und Frankreich geteilten Karibikinsel, sind fast alle Häuser zerstört oder schwer beschädigt worden. Der Premierminister von Antigua und Barbuda, Gaston ­Browne, nannte den Klimawandel als Ursache der Katastrophe. Die Inseln der Karibik müssten die Konsequenzen für das Versagen der für diesen verantwortlichen Industrienationen tragen, klagte Browne.

Eine Hurrikan-Entwarnung wird es in der Karibik und an der US-Ostküste in diesem Jahr noch nicht geben.

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