Aus: Ausgabe vom 06.09.2017, Seite 15 / Antifa

Breite Front gegen Hassprediger

Nazigegner und Feministinnen kündigen Proteste gegen radikale Abtreibungsgegner an

Von Markus Bernhardt
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Protest gegen den letztjährigen »Marsch für das Leben« und die Holocaustvergleiche seiner Organisatoren im Herbst 2016

Auch in diesem Jahr mobilisieren christliche Fundamentalisten, Rechtskonservative und Antifeministen zum sogenannten Marsch für das Leben. Unter dem Motto »Die Schwächsten schützen: Ja zu jedem Kind« wollen sie am 16. September (13 Uhr) vor dem Reichstag in Berlin gegen Abtreibungen, das körperliche Selbstbestimmungsrecht von Frauen und die Gleichstellung von Schwulen, Lesben, Bi- und Transsexuellen mit Heterosexuellen protestieren.

Bereits am Vortag findet (ab 14.30 Uhr) eine als Fachtagung deklarierte Veranstaltung mit dem Titel »Bioethik und Menschenwürde« im Tagungszentrum der Katholischen Akademie in Berlin statt, die vom »Bundesverband Lebensrecht e. V.« organisiert wird. Als Redner angekündigt sind unter anderem der nordrhein-westfälische CDU-Bundestagsabgeordnete Hubert Wilhelm Hüppe und der ehemalige SPD-Bundestagsabgeordnete Robert Antretter.

Unterstützt wird der diesjährige »Marsch für das Leben« von randständigen CDU-Zusammenschlüssen, aber auch der Parteijugend Junge Uni on (JU). Der Berliner Diözesanrat der Katholiken entschied dagegen im Mai, die Unterstützung des Marsches einzustellen, der dieses Jahr zum 13. Mal stattfindet. 2016 sollen mehr als 7.500 Ewiggestrige daran teilgenommen haben. »Mit dem Marsch für das Leben gedenken wir der Kinder, die Tag für Tag in Deutschland noch vor ihrer Geburt getötet werden«, heißt es im diesjährigen Aufruf. Wie gewohnt wird ein Zusammenhang zwischen Abtreibungen und dem mörderischen Euthanasieprogramm der Nazis herbeifabuliert.

Ungestört wird der Marsch auch dieses Jahr nicht bleiben. Zu Gegenprotesten mobilisieren verschiedene Bündnisse, feministische und schwul-lesbische Organisationen, Parteien und Beratungsstellen. Das »Bündnis für sexuelle Selbstbestimmung«, das unter anderem von Pro Familia, dem Lesben- und Schwulenverband, Linken, Grünen und SPD unterstützt wird, ruft etwa dazu auf, am 16. September am Brandenburger Tor (12 Uhr) ein öffentliches Zeichen für »Solidarität und Vielfalt« zu setzen. Den selbsternannten »Lebensschützern« gehe es um die Kontrolle über Frauen. »Sie sprechen von ›Babycaust‹ und relativieren so den nationalsozialistischen Holocaust«, kritisiert das Bündnis auf seiner Internetseite.

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