• Pol & Pott

Aus: Ausgabe vom 02.09.2017, Seite 8 (Beilage) / Wochenendbeilage

Joghurt-Ricotta-Kuchen

Von Ina Bösecke

»Love Story« (USA 1970) von Arthur Hiller war ein Publikumsknüller seinerzeit. Er trifft das Lebensgefühl der jungen Leute von damals. Es sei eine neue Zeit angebrochen, sagt Jennifer Cavalleri (Ali MacGraw) zu ihrem Vater bei der Verkündung ihrer Hochzeit, die sie so anders als früher gestalten will – ohne Kirche, ohne Gott, nur Mann und Frau, die sich in Gedichtform ewige Liebe schwören. Ihr Vater – ein Neuamerikaner aus Italien, der in einer Backstube arbeitet – schluckt die bittere Pille, allerdings mit Tränen in den Augen. Aber immerhin er akzeptiert die neue Zeit.

Im Gegensatz dazu steht der Vater von Oliver Barrett IV. (Ryan O’Neal), ein steinreicher und konservativer »Kotzbrocken«, wie ihn sein Sohn nennt. Dieser möchte Oliver permanent nach seinen Vorstellungen formen, ihm vor allen Dingen vorschreiben, wie er zu studieren und zu leben hat. Eine Heirat zwischen seinem Sohn und Jennifer lehnt er ab, auch wenn sie an einer der angesehensten Universitäten der USA studiert, ein Stipendium für Paris erhalten hat und auch noch das bürgerlichste aller bürgerlichen Instrumente, das Klavier, spielt und Mozart liebt. Aber die soziale Herkunft bleibt ein Makel in den Augen des Vaters. Für Oliver ein Grund, mit seiner begüterten Familie zu brechen und sich ohne deren Beziehungen in der Berufswelt durchzuschlagen.

Einen Nerv trifft der Film wahrscheinlich deshalb, weil eine gleichberechtigte Beziehung vorgestellt wird, die Frau ist mindestens so schlau und schlagfertig wie der Mann. Das gab es schon mal in den späten Dreißiger und frühen Vierziger Jahren in Hollywoodfilmen, ging dann aber leider für lange Zeit verloren. Warum dann aber überhaupt noch geheiratet werden muss in der »Love Story«, ist die Frage. Kritiker haben den Kassenschlager sowieso weniger wohlwollend aufgenommen – zu oberflächlich und zu sentimental sei er, ein Schmachtfetzen gar. Tatsächlich drückt das letzte Drittel reichlich auf die Tränendrüse, aber immerhin hat ja auch einer von beiden eine schwere Krankheit. Dennoch ist es ein Film, den man sich heute noch anschauen kann, und sei es nur, um sich Anregungen für eine neue Brille zu holen (Jennifer trägt zum Beispiel ein schönes Modell). Für ein Gericht muss natürlich Jennifers Papa herhalten, der Pasteten- und Tortenbäcker, der aus Italien eingewandert ist! Immer noch das Beste, was uns passieren kann.

Joghurt-Ricotta-Kuchen: Den Ofen auf 200 Grad vorheizen. Eine Kuchenform (Durchschnitt 20 Zentimeter) mit Butter einfetten. Zwei Eier trennen, ein drittes in einer kleinen Schüssel verquirlen. 150 Gramm Naturjoghurt in einen kleinen Topf geben, 100 Gramm Speisestärke darübersieben und unterrühren. 100 Gramm feinen Zucker zufügen und bei kleiner Hitze unter ständigem Rühren eindicken. 400 Gramm milden, zerkrümelten Ricotta unterrühren. Den Topf vom Herd nehmen und auskühlen lassen. Das Eiweiß in einer fettfreien Schüssel steif schlagen. Das Eigelb in die Ricottamasse rühren. Den Eischnee vorsichtig unterziehen. Die Masse in die vorbereitete Form füllen und etwa 30 Minuten backen. Den Kuchen in der Form auskühlen lassen.

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