Aus: Ausgabe vom 23.08.2017, Seite 11 / Feuilleton

Bar, Bars und Bares

Von Wiglaf Droste

für Koralle O’Ralle, Foralle for alle

Es gibt viele Bars auf der Welt, darunter die Bar jeder Vernunft, die Bar jeder Hoffnung, die ScheinBar, die WunderBar, die SonderBar, die SansiBar und eine Kette namens BarCelona. Die Bar O’Meter im wetterwendischen Irland ist noch unentdeckt, und auch die OffenBar kenne ich so wenig wie den dazugehörigen Ungseid. Die Bar Fuß, die am 10. September 1960 mittels der Geburtshilfe von Abebe Bikila in Rom das späte Abendlicht der Welt erblicken konnte, muss ich meiden, seitdem der Taz-Tory Dominic Johnson, ein notorischer Nacktquantenlatscher, in Berlin ein illegitimes Nachfolge-Etablissement gleichen Namens aufmachte.

Die Bar Geld an der Frankfurter Börse stinkt nach eigener Aussage zwar nicht, aber ihre Pecunia-Non-Olettenräume sind olfaktorische Pestnester, und gelacht wird dort auch nicht, sondern statt dessen mit der Plastikgoldenen aus der Bar Clay gelatzt. Die Bar Es für Rares ist für Männer mit fahrradlenkerbreiten Pornobalken im verhaltensauffälligkeitssyndromigen Witzboldgesicht reserviert, die Bar Häuptig ist Hutträgern verboten und die Bar Busig ein bisschen sehr halbseiden.

Die Bar Barisch, wo man rauheste Sitten kultiviert, suche ich nurmehr ungern auf, die Bar Kasse und die AbwaschBar am Hafen sind ebenfalls eher kaschemmig, während in der Bar Olo das Publikum mit aufgespraytem Stil to go langweilt. Die frühere Bar Schel ist einem Spezialgeschäft für Edelbadewannen gewichen, die Bar Abbas und die KasBar sind Treffpunkt militanter Antisemiten, in der VerfügBar liegen Einheiten und Kräfte aller Couleur in Wartestellung, die VerhandelBar ist eine Heerberge für Krämerseelen, in der Bar Bie herrscht ein streng lesbischblondes Regiment, die Bar T. Simpson ist längst von Touristenhaufen überlaufen, und für die Ärmelschonerschublade Bar Merersatzkasse werde ich hoffentlich niemals erloschen genug sein.

So bleibt mir nur die Alles-in-Bar, in der man nicht mit Plastik zahlt, sondern in der Hauswährung Bar è Muenze, und für späte bis letzte Stunden ist die Bar Tholomäusnacht reserviert, die in der Nacht vom 23. zum 24. August 2017 pünktlich zum 445. Jahrestag der Pariser Bluthochzeit ihre Pforten öffnen wird. Zur Eröffnung spielt die phantastische Hugos Nutten Massacre Blues Band. Das wird kein Abend und kein Place to be für Freunde des Juden-, Frauen-und Bauern-Hassers Dr. Martin Luther, nichts für Zwangszwinglianer, Kleincalvinisten, Pièt-Cong-Offiziere und andere forcierte Protestonkel, Protestanten und Sonstwiefrömmler, aber ganz sicher eine Nacht und ein Ort ganz nach meinem Abgusto: Angekreidet wird nichts, denn wir bewegen uns im Bezahl-Bar-Milieu.

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