Aus: Ausgabe vom 22.08.2017, Seite 1 / Ausland

Maduro will »die Gesellschaft erschüttern«

Venezuelas Präsident kündigt Maßnahmen gegen Preissteigerungen und Korruption an

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Venezuelas Präsident Nicolás Maduro am Sonntag im Gespräch mit dem Journalisten José Vicente Rangel

Noch in dieser Woche will Venezuelas Regierung Maßnahmen ergreifen, um die Preissteigerungen in dem südamerikanischen Land zu stoppen. In der vom privaten Fernsehsender Televen ausgestrahlten Sendung »José Vicente Hoy« sagte Staatschef Nicolás Maduro, es gehe um eine Reihe von Aktionen, »die die Gesellschaft erschüttern werden«. Es könne nicht hingenommen werden, dass Handelsunternehmen den über ausländische Internetseiten festgelegten »kriminellen Dollarkurs« als Grundlage für ihre Preisgestaltung nähmen. Die Einhaltung der Höchstpreise müsse durchgesetzt werden, so Maduro.

Eine erste Maßnahme gegen die »Parallelbanken« hat die für die Aufsicht der Finanzinstitute zuständige Behörde Sudeban ergriffen. Sie hob am Wochenende alle Lizenzen auf, die Geschäften das Auszahlen von Bargeld gegen Schecks oder Kreditkarten gestatteten. Zuletzt hatten viele Unternehmen hohe Gebühren für diese Dienstleistung erhoben und damit ausgenutzt, dass die meisten Banken Venezuelas nur noch in begrenztem Maße Bargeld auszahlen. Hintergrund ist, dass in Venezuela nicht mehr genügend Geldscheine im Umlauf sind, da Medienberichten zufolge rund 30 Prozent aller höheren Banknoten nach Kolumbien verschoben wurden. Unklar war nach der Maßnahme der Sudeban allerdings, wo sich die Bürger nun legal mit ausreichenden Finanzmitteln versorgen können.

Die frühere Generalstaatsanwältin Venezuelas, Luisa Ortega Díaz, hat sich am Freitag (Ortszeit) nach Kolumbien abgesetzt und damit Korruptionsermittlungen entzogen. Maduro bekräftigte am Sonntag Vorwürfe, denen zufolge Ortega in ihrer Amtszeit an der Spitze einer Mafia gestanden habe, die von Verdächtigen Schutzgelder erpresst habe. Ortega attackierte im Gegenzug Maduro mit dem Vorwurf, Schmiergeld des brasilianischen Baukonzerns Odebrecht angenommen zu haben. Dieser Verdacht lastet allerdings mehr auf Oppositionsführer Henrique Capriles Radonski. Wie der private Fernsehsender Globovisión am Sonntag meldete, soll der frühere Odebrecht-Direktor in Venezuela, Euzenando Azevedo, den Gouverneur des Bundesstaates Miranda schwer belastet haben. (jW)

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