Aus: Ausgabe vom 17.08.2017, Seite 6 / Ausland

»Operation David« gegen Maduro

Venezuelas Geheimpolizei Sebin vereitelt offenbar Angriff auf Präsidentenpalast Miraflores

Von André Scheer
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Beamte der Geheimpolizei Sebin am 8. Juli in Caracas

Amnesty International macht sich Sorgen um einen in Venezuela inhaftierten Exgeneral. Raúl Baduel wurde demnach am 8. August aus dem Militärgefängnis Ramo Verde in Caracas weggebracht. Sein neuer Aufenthaltsort sei unbekannt, schlug die Menschenrechtsorganisation Alarm und rief dazu auf, Protestschreiben an Venezuelas Regierung zu schicken. In der Nacht zum Mittwoch berichtete nun der internationale Sender Telesur, Baduel sei in eine andere Haftanstalt verlegt worden, nachdem Pläne zu seiner Befreieung aufgedeckt worden seien. Als Beleg dafür sendete der Nachrichtenkanal Aufnahmen einer Überwachungskamera aus dem Gefängnis, auf denen zu hören ist, wie Baduel einem Mitgefangenen über Pläne zu seiner Befreiung berichtet. Er soll in die »Operation David« verwickelt sein.

Unter diesem Namen, der auf die alttestamentarische Legende vom Kampf »David gegen Goliath« anspielt, präsentierten sich zuletzt mehrfach bewaffnete und maskierte Männer in Internetvideos, die sich als »aktive Soldaten« der venezolanischen Streitkräfte vorstellten und zum Sturz Präsident Nicolás Maduros aufriefen. Sie erklärten sich verantwortlich für zwei Anschläge, die in den vergangenen Wochen Venezuela aufgerüttelt hatten.

Ende Juni nutzte der desertierte Offizier Oscar Pérez einen Hubschrauber der Kriminalpolizei und beschoss Gebäude des Innenministeriums und des Obersten Gerichtshofs in Caracas. Am 6. August attackierten dann Bewaffnete die Paramacay-Kaserne im Bundesstaat Carababo. Es kam zu einem Feuergefecht, bei dem zwei der Angreifer getötet wurden.

Die Anführer der Gruppe, die beiden Exmilitärs Juan Carlos Caguaripano und Yefferson García Dos Ramos, wurden am vergangenen Freitag in Caracas verhaftet. In der Folge kam es zu weiteren Festnahmen von 18 Verdächtigen, gegen 23 weitere seien internationale Haftbefehle erlassen worden, teilten die Behörden am Sonntag mit.

Noch am Wochenende meldete sich per Youtube-Video der ehemalige Hauptmann Manuel Ramírez zu Wort. Er gehörte zu den in den Putschversuch 2002 verwickelten Offizieren und lebt seit 2003 unbehelligt in Miami. Schon im Mai hatte er sich per Video an die Nationalgarde mit dem Aufruf gewandt, die Venezuela regierenden »Ratten« zu stürzen. Nun erklärte er, die »Operation David« beginne erst, daran könne auch die Festnahme Caguaripanos nichts ändern.

Dem Bericht von Telesur zufolge sollte zunächst Baduel aus der Haft befreit werden. Er wäre das ideale Gesicht, um einen Staatsstreich als »Rettung der Demokratie« zu rechtfertigen, denn der Exgeneral hatte sich im April 2002 einen Namen gemacht, als er militärisch zum Scheitern des Putsches gegen Hugo Chávez beitrug. 2007 kam es zum Bruch zwischen ihm und dem Präsidenten. Der buddhistischen und esoterischen Kulten verhaftete Baduel wollte die sozialistische Orientierung seines einstigen Kampfgefährten nicht mittragen. Seither gab es immer wieder Gerüchte über seine Verwicklung in Umsturzpläne. Im Januar wurde er wegen solcher Vorwürfe inhaftiert.

Wie Telesur-Reporterin Madelein Garcia berichtete, sollten den Ermittlungen der Geheimpolizei Sebin zufolge nach der Befreiung Baduels an bestimmten Stellen im Zentrum von Caracas Kämpfer positioniert werden. Als Beleg dafür präsentierte sie abgewandelte Davidsterne, die an zahlreichen Stellen der Stadt mit weißer Farbe an die Wand gemalt worden waren. Teilweise waren diese Symbole mit Werbung ergänzt, etwa für einen Gebrauchtwarenhändler in El ­Hatillo, einem der exklusivsten Viertel der Hauptstadt. Von den Sammelpunkten aus sollten die Bewaffneten auf den Präsidentenpalast Miraflores vorrücken und dort Staatschef Maduro und andere hochrangige Regierungsmitglieder entführen. Dem seien die Einsatzkräfte am Wochenende zuvorgekommen.

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