Aus: Ausgabe vom 16.08.2017, Seite 6 / Ausland

Kontrollgang im Hinterhof

US-Vizepräsident Pence besucht Länder in Südamerika

Von Volker Hermsdorf
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US-Vizepräsident schau nach dem Rechten: Michael Pence wird in Buenos Aires von der argentinischen Ehrengarde empfangen (14.8.2017)

US-Vizepräsident Michael Pence steht am morgigen Donnerstag in Chile vor dem schwierigsten Teil seiner Tour durch vier lateinamerikanische Länder. Während die jeweils zweitägigen Besuche in Kolumbien und Argentinien und die Gespräche mit den dortigen, Washington treu ergebenen rechten Regierungschefs für den Vertreter Donald Trumps eher Heimspiele waren, trifft er in Santiago de Chile auf die als liberal geltende Präsidentin Michelle Bachelet.Für die USA ist Chile jedoch ein wichtiger Teil der Einheitsfront gegen Venezuela.

Auf seiner letzten Station in Panama kann Pence sich am Freitag dann erneut der Unterstützung für alle Aktionen zum Sturz der Regierung in Caracas sicher sein. Präsident Juan Carlos Varela gehört zu den verlässlichsten Freunden der USA in deren Hinterhof.

Nach offizieller Darstellung des Weißen Hauses geht es bei der ersten Lateinamerikareise des Vizepräsidenten um »die Festigung der Beziehungen zu den Verbündeten« und die »Unterstützung der wichtigen wirtschaftlichen Reformen« in der Region. Ein Vorwand, den selbst das eigene Personal bezweifelt. »Kolumbien, Argentinien, Chile und Panama repräsentieren die Zukunft, die Zukunft der Freiheit, der Chancen, der Geschäfte und des Wachstums, während Venezuela für die Vergangenheit der Diktaturen und der Unterdrückung steht«, zitierte die spanische Agentur Efe einen »hohen Regierungsbeamten« in Washington.

Der Vizepräsident verfolgt mit der Reise das Ziel, mit allen vier Regierungschefs Absprachen über eine Verstärkung des wirtschaftlichen und politischen Drucks auf Caracas zu treffen. Dabei musste Pence zunächst erst einmal den Schaden begrenzen, den sein Chef am Freitag mit der dilettantischen öffentlichen Spekulation über einen Militäreinsatz gegen Venezuela angerichtet hat. Selbst die reaktionärste Regierung kann es sich in Lateinamerika nicht leisten, dazu offen zu applaudieren.

Das erfuhr der Abgesandte aus Washington gleich bei der ersten Station in Kolumbien. »Die Möglichkeit einer Militärintervention sollte nicht einmal in Betracht gezogen werden«, warnte der konservative Präsident Juan Manuel Santos am Sonntag. »Der lateinamerikanische Kontinent, jedes Land in Lateinamerika, wäre gegen jegliche Form einer Militärintervention.« Gleichwohl versicherte er: »Wir stehen hinter den Maßnahmen, die die nordamerikanische Regierung ergriffen hat, und werden weitere Maßnahmen ebenfalls unterstützen.«

Der anders als sein Chef des Zuhörens mächtige Vize Pence hatte verstanden und betonte bei jeder Gelegenheit, er setze auf eine »friedliche Lösung in Venezuela«. Auf einer Pressekonferenz am Sonntag in Cartagena ruderte er jedoch wieder zurück. Er könne eine militärische Intervention in dem Land nicht explizit ausschließen, erklärte Pence.

Die Lateinamerikatour des US-Politikers wird auf dem Kontinent nicht erst seitdem mit Argusaugen beobachtet. In Venezuela erinnerte Vizepräsident Tareck El Aissami nach den Äußerungen von Pence an die zahlreichen US-Militärbasen in Kolumbien, die dort angeblich zur Bekämpfung des Drogenanbaus eingerichtet worden waren. »Heute werden in Kolumbien mehr Drogen als jemals zuvor produziert. Für welche Aufgabe sind die US-Basen dort also wirklich gedacht?« fragte El Aissami.

In Panama verbreitete die linke Partei Breite Front für die Demokratie (FAD) am Montag Fotos von zwei Militärflugzeugen des Typs C-130 »Hercules«, die normalerweise für den Transport von Kampfsoldaten und Fallschirmjägern eingesetzt werden. Beide Maschinen sollen bereits seit Tagen auf dem Flughafen Panama-Stadt bei Tocumen stehen. »Ist das gegen Venezuela gerichtet?« verlangte die FAD einem Bericht des Onlineportals Crítica zufolge Aufklärung von den zuständigen Behörden. Wie die kubanische Nachrichtenagentur Prensa Latina berichtet, kursieren im Internet auch Warnungen vor einem US-Zerstörer im Hafen von Balboa an der südlichen Einfahrt des Panama-Kanals.

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