Aus: Ausgabe vom 11.08.2017, Seite 1 / Ausland

Hunger, Gewalt und Gabriel

Der deutsche Außenminister besucht das Bürgerkriegsland Südsudan und findet mahnende Worte

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Roter Teppich für Sigmar Gabriel am Donnerstag in Juba

Bundesaußenminister Sigmar Gabriel (SPD) hat am Donnerstag in der südsudanesischen Hauptstadt Juba die Konfliktparteien des Landes zu Friedensverhandlungen aufgefordert. Der Südsudan habe den Frieden »endlich verdient«, sagte er nach Gesprächen mit Präsident Salva Kiir über die Situation des afrikanischen Staates, in dem seit fast vier Jahren Bürgerkrieg herrscht. Erst einen Tag zuvor waren im Bundesstaat Lakes 38 Menschen bei gewaltsamen Auseinandersetzungen getötet worden.

Der Krieg behindere die »wirtschaftliche Entwicklung und den Wiederaufbau des Landes«, so Gabriel. Außerdem seien seit Beginn der Unruhen knapp vier Millionen Menschen geflohen, 1,3 Millionen davon in das Nachbarland Uganda, welches Gabriel am Mittwoch besucht hatte. Der Außenminister kritisierte zudem den mutmaßlichen Einsatz von Kindern in dem Krieg. Nach Schätzungen des UN-Kinderhilfswerks Unicef sollen rund 17.000 Minderjährige als Soldaten rekrutiert worden sein und sowohl auf seiten der Aufständischen als auch unter dem Kommando der Regierung kämpfen. Kiir habe ihm im Gespräch zugesichert, den Einsatz von Kindersoldaten fortan zu ächten, so Gabriel.

Seit 2013 kämpfen zwei ethnische Gruppen um die politische Führung des erst zwei Jahre zuvor unabhängig gewordenen Staates: die Anhänger von Präsident Kiir aus dem Dinka-Volk und Angehörige der Nuer-Gruppe, die den früheren Vizepräsidenten Riek Machar unterstützen. Der Machtkampf forderte bereits Zehntausende Menschenleben; im Dezember warnten die Vereinten Nationen vor einem möglichen Völkermord. Gabriel rief beide Parteien ausdrücklich zum Einlenken auf, dies sei »nicht nur eine Aufgabe der Rebellen«. Deutschland habe in diesem Jahr die humanitäre Hilfe von 60 auf 90 Millionen Euro erhöht, das Geld müsse endlich die Menschen erreichen, forderte der Außenminister. Etwa 160.000 Blauhelmsoldaten, Polizisten und UN-Mitarbeiter sind derzeit vor Ort im Einsatz. Trotzdem steht das Land am Rande einer Hungersnot, rund sechs Millionen Bürger – etwa die Hälfte der Bevölkerung – haben nicht genug zu essen. (dpa/AFP/jW)

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