Aus: Ausgabe vom 10.08.2017, Seite 15 / Medien

Kapitalistische Powerfrau

Viel Macht für eine Person: Medienoligarchin Friede Springer wird 75

Von Klaus Fischer
Empfang_zum_Geburtst_32146467.jpg
Gute Laune unter Herrscherinnen und Machern: Friede Springer (M) zwischen Vorstandschef Döpfner und Kanzlerin Merkel an ihrem 70. Geburtstag 2012 in Berlin

Friede Springer beherrscht einen der mächtigsten Medienkonzerne Deutschlands. Kommende Woche feiert die Hauptanteilseignerin der Axel Springer SE ihren 75. Geburtstag. Am Dienstag werden sich dann Spitzenkräfte aus Wirtschaft, Politik und Kultur in der Berliner Zentrale des Meinungsmacherkonzerns die Klinke in die Hand geben. Frau Springer gilt neben der Bertelsmann-Matriachin Elisabeth »Liz« Mohn als wichtigste Fördererin von Angela Merkel. Es scheint weniger seltsam, dass die Pleiten-Pech-und-Pannen-Kanzlerin vor Wahlen immer beliebter beim Volk wird.

Die Verlagserbin ist trotz ihrer unspektakulären Auftritte eine Powerfrau. Als der Medienmogul Springer 1985 verstarb war keineswegs sicher, dass seine kinderlose fünfte Gattin den Laden übernehmen und zusammenhalten würde. Denn 1989 stieg mit Leo Kirch einer der rücksichtslosesten und lange Zeit erfolgreichsten Medienunternehmer Deutschlands als Großaktionär bei der damaligen Axel Springer AG ein. 1993 hatte er 40 Prozent der Stammaktien unter Kontrolle, und er wollte mehr.

Letztlich konnte sich Friede Springer in dem – meist unter Ausschluss der Öffentlichkeit geführten – Konkurrenzkampf durchsetzen. Was im Detail gelaufen ist, bleibt unbekannt. Entscheidend für die Erbin war wohl die »Verschwörung« gegen Kirch« (jedenfalls nach Ansicht des Unternehmers selbst). Beteiligt waren aus Sicht von Kirch die damalige SPD-Grünen-Bundesregierung, vor allem aber die Deutsche Bank. Denn Kirchs plötzliche Pleite 2002 sei, so die Klage des TV-Moguls, vom damaligen Vorstandssprecher des Geldhauses Rolf Breuer ausgelöst worden. Bei einem Medienauftritt hatte er die Solvenz der Kirchgruppe in Zweifel gestellt, die später Insolvenz anmelden musste. Cui bono – das 40 Prozent Aktienpaket Kirchs an Springer landete erst bei den Deutschbänkern (als »Sicherheit«), die es an Friede Springer verkauften.

Auch den Streit um die Erbfolge mit Springers Enkel Axel-Sven konnte Friede Springer vor Gericht für sich entscheiden. Spätestens nach diesen glücklichen Fügungen war sie die unumstrittene Nummer eins im Konzern. Ihr Vorstandschef Mathias Döpfner scheint ebenfalls ein »Glücksgriff« gewesen zu sein. Der Topmanager glänzte durch hohe Profitraten und passte das Geschäft des Meinungsimperiums erfolgreich an das digitale Zeitalter an. Ja, und leider ist Bild trotz Verkaufsrückgängen immer noch die Zeitung, die der deutsche Bauarbeiter stellvertretend für seine Klasse in der Frühstückspause zumeist auf dem Tisch liegen hat.

Lesen und lesen lassen (Login erforderlich) Ich will auch!
Infos und Verweise zu diesem Artikel:

Ähnliche:

Mehr aus: Medien
  • Auswärtiges Amt nimmt Einfluss, auch auf kubanische Journalisten – Taz hilft
    Volker Hermsdorf