Aus: Ausgabe vom 08.08.2017, Seite 1 / Ausland

Überfall auf Kaserne abgewehrt

Uniformierte greifen in Venezuela Stützpunkt an. EU stellt sich hinter rechte Opposition

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Ziel des Angriffs: die Kaserne Paramacay in Valencia

Bei der Niederschlagung eines Angriffs auf einen Militärstützpunkt in Venezuela sind Präsident Nicolás Maduro zufolge zwei Täter getötet und acht festgenommen worden. Rund 20 Bewaffnete seien am Sonntag morgen in den Stützpunkt Paramacay nahe der Stadt Valencia westlich von Caracas eingedrungen, sagte Maduro am selben Tag in seiner wöchentlichen TV-Sendung. Er bezeichnete die Angreifer als Söldner. »Die Rechnung wurde aus Miami und Kolumbien bezahlt«, sagte Maduro. Es handelte sich anscheinend um den Versuch, einen Aufstand auszulösen.

In einem Video, das zum Zeitpunkt der Attacke im Internet kursierte, erklärten mehrere Uniformierte, sie wollten das Land zurück zur Demokratie führen. Sie riefen zur landesweiten Erhebung gegen Maduro auf. Dies sei kein Staatsstreich, sondern eine bürgerliche und militärische Aktion, um die Verfassungsordnung wiederherzustellen, sagte ein Mann, der sich als Exoffizier der Nationalgarden vorstellte. Am Freitag war die verfassunggebende Versammlung in Caracas zusammengekommen. Ziel der Constituyente, deren Mitglieder Ende Juli gewählt worden waren, ist die Ausarbeitung eines neuen Grundgesetzes, das die sozialen und demokratischen Errungenschaften der vergangenen Jahre festschreibt.

Befeuert werden derartige Putschversuche auch aus Brüssel. Am Montag hat EU-Außenbeauftragte Federica Mogherini dort die jüngsten Entwicklungen in Venezuela kritisiert. »Der Amtsantritt der verfassunggebenden Versammlung und deren erste Handlungen, darunter die Entfernung Luisa Ortegas aus ihrem Amt als Generalstaatsanwältin, haben die Aussicht auf eine friedliche Rückkehr zur demokratischen Ordnung in Venezuela weiter verschlechtert«, erklärte Mogherini. »Wir erwarten von der venezolanischen Regierung, dass sie dringend alle politischen Gefangenen freilässt und die Respektierung von Rechtsstaatlichkeit und Menschenrechten sicherstellt«, stellte sich Mogherini hinter die rechte Opposition, die immer wieder gewaltsam gegen Anhänger der linken Regierung vorgeht. (AFP/dpa/Reuters/jW)

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