Aus: Ausgabe vom 26.07.2017, Seite 6 / Ausland

Die CIA mischt mit

Direktor von US-Geheimdienst räumt internationale Kooperation für Sturz der Regierung Venezuelas ein

Von André Scheer
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Die Demokratie, die Pompeo meint: An dem Tag, an dem der CIA-Direktor in im US-amerikanischen Aspen sprach, errichteten Maduros Gegner in Maracaibo Barrikaden

Venezuelas Präsident Nicolás Maduro hat am Montag (Ortszeit) die Regierungen Kolumbiens und Mexikos aufgefordert, sich zu Äußerungen von CIA-Direktor Michael »Mike« Pompeo zu äußern. Der Chef des US-Geheimdienstes hatte am 20. Juli beim »Aspen Security Forum« im US-Bundesstaat Colorado erklärt, man sei »sehr hoffnungsvoll«, dass es in Venezuela eine »Transition«, also einen Regierungswechsel, geben werde. Dazu habe er in Mexiko-Stadt und Bogotá bereits Gespräche geführt, damit »sie verstehen, was sie tun sollten«.

Pompeo antwortete mit seinen Äußerungen auf die Frage einer Teilnehmerin, die davor gewarnt hatte, dass Venezuela »entweder in den nächsten zwei Wochen Kuba sein« oder aber innerhalb der nächsten 60 bis 90 Tage einen »Wandel« erleben werde. Der CIA-Direktor erklärte dazu: »Immer, wenn es um ein so großes und wirtschaftlich fähiges Land wie Venezuela geht, hat Amerika großes Interesse daran sicherzustellen, dass es stabil und so demokratisch wie möglich ist. Wir arbeiten deshalb hart daran.« Deutlicher wollte er nicht werden: »Ich bin immer vorsichtig, wenn wir über Süd- und Mittelamerika und die CIA sprechen, denn da gibt es viele Geschichten«. Das Protokoll verzeichnet daraufhin im Publikum »Lachen«.

Am Montag hatte zunächst Venezuelas Außenminister Samuel Moncada auf diesen »Beweis für die Aggression« gegen sein Land aufmerksam gemacht. Anschließend erinnerte Maduro während einer Militärparade aus Anlass des 234. Geburtstages des Nationalhelden Simón Bolívar an den von der CIA geführten Putsch 1973 gegen die Regierung von Salvador Allende in Chile und kündigte »politische und diplomatische Schritte« gegen die »interventionistische Politik« Washingtons an. Sowohl Kolumbien und Mexiko als auch die Administration von US-Präsident Donald Trump müssten die Äußerungen des CIA-Direktors »ausreichend erklären«. »Die Zeiten, in denen sie sich als Herren der Welt fühlen konnten, sind lange vorbei. Venezuela muss das diese Woche beweisen«, zog er eine Verbindung zu der am Sonntag bevorstehenden Wahl einer verfassunggebenden Versammlung, die von der Opposition bekämpft wird.

»Was ist los in Venezuela?« Do., 27. Juli, 19.00 Uhr, jW-Ladengalerie, Torstr. 6, Berlin; Eintritt: 5,- Euro /ermäßigt 3,- Euro. Um Anmeldung wird gebeten unter mm@jungewelt.de oder 0 30/53 63 55 56

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