Aus: Ausgabe vom 17.07.2017, Seite 16 / Sport

Den Berg hinunter

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Wie kommt man zurück? Norman Rentsch 2015

Der sechsmalige deutsche Frauenhandballmeister HC Leipzig hat Insolvenz angemeldet und muss in der dritten Liga einen Neuanfang starten. »Nur wenige Vereine haben es vorgemacht, wie man von dort zurückkommt«, sagte HCL-Trainer Norman Rentsch im MDR und: »Mit welchem Hochmut Vereinsführung und Management in diese Situation reingegangen sind, das war absolut grenzwertig.«

Als mitverantwortlich gilt Manager Kay-Sven Hähner. Jahr für Jahr hatte er die prominentesten Spielerinnen in die Messestadt geholt, zwischenzeitlich war es mehr als die Hälfte der deutschen Nationalmannschaft. Fehler habe er gemacht, räumte Hähner Mitte Mai ein, zu dem Zeitpunkt hatten die Spielerinnen bereits seit Monaten kein Geld mehr gesehen. Per Whats App hatte er am Samstag morgen den Vorstand des HCL darüber informiert, dass die zum wirtschaftlichen Überleben und zum Erhalt der Bundesliga-Lizenz nötigen 600.000 Euro mit Ablauf der Frist nicht eingegangen waren.

Der schleichende Niedergang des einst so ruhmreichen HC Leipzig hatte bereits vor Jahren begonnen. 2010 kamen im Schnitt noch 2.700 Zuschauer zu den Spielen in die riesige Leipziger Arena, zuletzt waren es gerade mal 1.000 - kalkuliert hatte Hähner mit 2.200. Die Teilnahme des HCL an der kostenintensiven Champions League erwies sich als Bumerang, das Geld für die aufwendigen Reisen holte der HCL nicht mehr rein.

Noch am 7. Juli hatte ein Schiedsgericht die Handballbundesliga der Frauen überraschend zur Lizenzerteilung für den HCL verurteilt – allerdings unter der Bedingung, dass der mit 1,3 Millionen Euro verschuldete Klub bis zum 14. Juli eine Eigenkapitalerhöhung von 600.000 Euro auf dem Konto nachweisen sollte. Das ist nicht gelungen.

Trainer Rentsch wird dem Verein zunächst erhalten bleiben, das bestätigte der 37jährige im Gespräch mit dem MDR. »Ich habe meine Bereitschaft erklärt, die ersten Schritte auf dem neuen Weg mit einzuleiten«, sagte er und konnte seine Gefühlslage nur schwer in Worte fassen: »Das ist mit den Begriffen Wut und Ärger kaum zu beschreiben. Wir haben Vertrauen in die gesamte Führung gehabt – und sind jetzt den Berg hinuntergestoßen worden.«(sid/jW)

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