Aus: Ausgabe vom 01.07.2017, Seite 5 / Inland

Bombardier baut ab

Konzern streicht 2.200 Stellen. Gewerkschaft reagiert verhalten

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Beschäftigte protestierten in Berlin gegen drohenden Stellenabbau (30. März)

Der kanadische Bahnhersteller Bombardier will bis 2020 fast jede vierte Stelle in Deutschland streichen. Bis zu 2.200 der 8.500 Arbeitsplätze sollen wegfallen. Aufsichtsratschef Wolfgang Tölsner gab am Donnerstag allerdings bekannt, alle Standorte in Deutschland würden erhalten bleiben. Bis Ende 2019 soll es keine betriebsbedingten Kündigungen geben. In Hennigsdorf bei Berlin sollen von den 2.400 Beschäftigten 500 den Betrieb verlassen. Statt der bisherigen fünf Bahnmodelle wird dort künftig nur noch eins produziert werden. Zudem plant man am Standort den Bereich Forschung und Entwicklung anzusiedeln. In Görlitz soll die Zahl der Mitarbeiter von 1.900 auf 1.100 reduziert werden.

Die Bahnsparte bei Bombardier in Deutschland habe in den vergangenen fünf Jahren bei zehn Milliarden Euro Umsatz eine Milliarde Verlust gemacht. Das Konzept des Konzerns sieht vor, dass Bautzen, Hennigsdorf, Kassel, Mannheim und Siegen zu weltweiten Kompetenzzentren für einzelne Bereiche des Bahngeschäfts werden. Nach dem Plan sollen an den deutschen Standorten bis 2019 rund 70 Millionen Euro investiert werden. Ein Vertreter der IG Metall äußerte sich zufrieden – schließlich waren zunächst höhere Abbauzahlen im Gespräch gewesen. Er kündigte aber in den Detailverhandlungen eine harte Linie an. »Die Umsetzungsarbeit fängt jetzt erst an«, sagte der zuständige Bezirksleiter der Gewerkschaft, Olivier Höbel.

Der kanadische Mutterkonzern war durch Fehlinvestitionen in der Flugzeugentwicklung in Schwierigkeiten geraten. Im vergangenen Jahr hatte Bombardier die Streichung von weltweit 7.500 Stellen angekündigt. 5.000 davon sollten in der Sparte Bahntechnik wegfallen, deren Kapazitäten weitgehend in Deutschland konzentriert sind.

Michael Wobst, Gesamtbetriebsrat bei Bombardier, sagte gegenüber dem RBB am Donnerstag abend: »Wir wollen einen sozialverträglichen Abbau der Stellen hinbekommen«. Er zeigte sich zufrieden, da 50 Prozent der Produktionskapazitäten erhalten bleiben sollen. Das Unternehmen habe nur zehn Prozent aufrechterhalten wollen. Die Schaffung neuer Arbeitsplätze, die von der Konzernspitze angekündigt wurde, sieht Wobst allerdings »momentan nicht«. (Reuters/jW)

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