Aus: Ausgabe vom 30.06.2017, Seite 8 / Ansichten

Renten-Pepper des Tages: EU-Kommission

Von Simon Zeise
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Ein Geschäftsmodell geht um in Europa. Armut und sinkende staatliche Sozialleistungen treiben die Lohnabhängigen in die private Altersvorsorge. In Deutschland knapsen sich mittlerweile fast 40 Prozent der Erwerbstätigen etwas vom sauer Verdienten ab, um zu »riestern«. Nicht genug, findet die oberste Kapitalverwaltungsbehörde auf dem Kontinent. Nach Angaben der EU-Kommission haben bisher nur 27 Prozent der EU-Bürger zwischen 25 und 59 Jahren angefangen, die Früchte ihrer Arbeit Finanzhaien abzutreten.

Für die Versicherungsbranche sehen die Brüsseler Technokraten noch erhebliche Wachstumschancen. Vor allem die Niedriglöhner in Osteuropa helfen Allianz und Co. nicht genügend dabei, ihre Gewinnmargen zu erhöhen. In der EU würden einer Studie zufolge private Vorsorgeprodukte in Höhe von 700 Milliarden Euro verwaltet. Bis 2030 könne der Umsatz auf 1,4 Billionen Euro gesteigert werden.

Am Donnerstag stellten die Brüsseler Manager ihr neuestes Produkt vor. Die Police mit dem schmissigen Namen »PEPP« (Pan-European Personal Pension Product) soll länderübergreifend zu denselben Konditionen gelten und »dem Sparer« erlauben, alle fünf Jubeljahre die Aktiengesellschaft seines Vertrauens zu wechseln. »Es wird den Wettbewerb beleben, da mehr Anbieter es auch außerhalb ihres Heimatmarkts vertreiben können«, sagte Kommissionsvizepräsident Valdis Dombrovskis am Donnerstag in Brüssel.

Schön, für die Konzerne. Weniger schön für die Rentner. Bereits ein Fünftel der Zusatzzahlungen von Riester-Sparern ruhen, weil sie das nötige Geld nicht mehr aufbringen können. Wer im Alter auf Grundsicherung angewiesen ist, dem wird das Ersparte wieder genommen. Die Gewerkschaft Verdi warnt bereits, dass bald die Hälfte aller Rentner mit 800 Euro im Monat auskommen muss – ohne Anspruch auf Dividende.

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