Aus: Ausgabe vom 23.06.2017, Seite 6 / Ausland

Der Affe mit dem Klappmesser

Teilnehmer der »Konferenz der Völker« in Bolivien kritisierten US-Präsident Trump scharf

Von Volker Hermsdorf
RTS184TH.jpg
Zeichen der eigenen Stärke: Teilnehmer der »Konferenz der Völker« am Mittwoch in Tiquipaya

In der bolivianischen Stadt Tiquipaya ist am Mittwoch abend (Ortszeit) ein weltweites Treffen zum Thema Flüchtlinge und Migration beendet worden. Als Ergebnis des auch als »Konferenz der Völker« bezeichneten zweitägigen Gipfels forderten die rund 4.000 Teilnehmer aus 43 Ländern in ihrer Abschlusserklärung »eine Welt ohne Mauern und eine universelle Staatsbürgerschaft«. Mehrere Regierungen und zahlreiche soziale Organisationen hatten unter dem Eindruck des von US-Präsident Donald Trump eingeschlagenen Kurses zu dem Welttreffen eingeladen. Trump droht unter anderem mit der Ausweisung von zehn Millionen Migranten und dem Bau einer Grenzmauer zu Mexiko. Er kündigte das Pariser Klimaabkommen auf und vollzog vergangenen Freitag die Kehrtwende in der Politik gegenüber Kuba.

Auf der Konferenz wandten sich neben Boliviens Präsident Evo Morales auch die ehemaligen Staatschefs von Ecuador Rafael Correa und Kolumbien Ernesto Samper sowie der ehemalige Regierungschef Spaniens José Luis Zapatero sowohl gegen die Verfolgung und Diskriminierung von Migranten.

Zahlreiche Redner warnten in den Debatten vor den Folgen einer zunehmend aggressiven Politik der USA. Die größte Gefahr für Lateinamerika und die Welt ginge derzeit nicht von Migranten, sondern von Trump aus, erklärte Samper. Dessen Absichten stünden im Widerspruch zu den Menschenrechten. »Das Problem sind diejenigen, die den Eindruck erwecken, dass Migranten ein Problem sind«, sagte Kolumbiens Expräsident.

Correa formulierte es in einem Radiointerview am Rande der Konferenz deutlicher: »Trump ist ein Affe mit einem Klappmesser«. »Er ist ein absolut gefährlicher Typ, der nichts versteht, aber die größte Macht in der Geschichte anführt.« Um einer Katastrophe zu entgehen, müsse »die unmoralische und ungerechte Weltordnung« überwunden werden, die »von Ländern errichtet wurde, für die Privatisierung der Wirtschaft und Konsum höhere Werte darstellen als die Gesundheit des Planeten und das Wohlergehen der Menschheit«, erklärte Correa.

Auch der Sozialdemokrat Zapatero griff den US-Präsidenten scharf an. Klimawandel und Migration hätten Ursachen, »an denen die überheblichen und fremdenfeindlichen Reden des Herrn Trump nichts ändern«. Die Folgen ließen sich nicht aufhalten: »weder durch Trump noch durch irgendeinen anderen Regierungschef, der die Menschenrechte missachtet.«

Zu Beginn der Konferenz hatten die Delegierten mit einer Schweigeminute aller Menschen gedacht, die »auf der Flucht vor Kriegen, Armut und Umweltzerstörungen in ihren Ländern« umgekommen sind. Der mexikanische Senator Alejandro Encinas erinnerte daran, dass derzeit 240 Millionen Menschen und damit 3,3 Prozent der Weltbevölkerung in anderen als ihren Geburtsländern lebten. Er forderte, »die alte Logik der westlichen Demokratien zu durchbrechen«, in denen die Gleichheit aller Menschen vor dem Gesetz nur in der Theorie, nicht aber in der Praxis existiere.

Venezuelas Botschafterin Crisbeyle González warf Trump und den USA vor, in ihrem Land kriminelle Terrorbanden zu unterstützen und damit neue Konflikte zu schüren. Sie bat die an der Konferenz beteiligten sozialen Organisationen um Hilfe gegen die Gewalt der Opposition und das Imperium, dessen Ziel es sei, sich die Ressourcen Venezuelas anzueignen und die antiimperialistischen Regierungen in der Region zu schwächen.

Lesen und lesen lassen (Login erforderlich) Ich will auch!
Infos und Verweise zu diesem Artikel:

Ähnliche:

Regio:

Mehr aus: Ausland
  • Die Linke in den G-20-Staaten. Heute: Europäische Union. Die EU komplett ablehnen – oder sich von ihr finanzieren lassen?
    André Scheer
  • Kaum auf ihren Posten, scheiden vier Minister des französischen Staatschefs Macron aus und machen Platz für die Ersatzeliten
    Hansgeorg Hermann, Paris
  • Geheime Abstimmung über Absetzung von Südafrikas Präsident legal – ob es dazu kommt, ist fraglich
    Christian Selz, Kapstadt