Aus: Ausgabe vom 20.06.2017, Seite 5 / Inland

Gegen Reallohnverluste

Tarifstreit in der Versicherungsbranche: Verdi intensiviert Warnstreiks

Von Stefan Thiel
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Versicherungen: Verdi fordert mehr Geld und einen »Zukunftstarifvertrag«. Die Unternehmer bieten bisher nur Reallohnverluste an.

In der laufenden Tarifrunde für die bundesweit rund 170.000 Beschäftigten des privaten Versicherungsgewerbes hat die Vereinte Dienstleistungsgewerkschaft (Verdi) ihr Vorgehen verschärft. Am Montag waren Beschäftigte in 16 Städten zu Warnstreiks aufgerufen. Darüber hinaus gab es im Saarland und in Leipzig Protestaktionen.

Allein in Hannover versammelten sich laut dpa 600 Streikende zu einer Kundgebung. In Berlin zogen nach Angaben von Verdi etwa 500 Angestellte in einem Demonstrationszug zum Sitz des Gesamtverbandes der Deutschen Versicherungswirtschaft, um ihrer Forderung nach mehr Gehalt Nachdruck zu verleihen. Die Gewerkschaft fordert für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im Innendienst der privaten Versicherungsunternehmen bei einer Laufzeit von 12 Monaten eine Erhöhung der Gehälter um 4,5 Prozent. Die Ausbildungsvergütungen sollen um 50 Euro angehoben werden. Zudem fordert Verdi für die Auszubildenden nach erfolgreicher Ausbildung eine unbefristete Übernahme.

Die Unternehmer offerieren nach eigenen Angaben bisher eine Erhöhung der Gehälter um 1,8 Prozent ab 1. November 2017 und weitere 1,5 Prozent mehr ab 1. Februar 2019. Dieses Angebot sei inakzeptabel, kritisierte der zuständige niedersächsische Verdi-Landesfachbereichsleiter Markus Westermann. Die Gehaltssteigerungen beliefen sich so bei einer Laufzeit von drei Jahren auf durchschnittlich 1,1 Prozent pro Jahr. Dies würde Reallohnverlusten gleichkommen.

Verdi kritisiert darüber hinaus die strikte Weigerung der Unternehmer »Zukunftsthemen« wie die fortschreitende Digitalisierung der Branche tarifvertraglich zu regeln: »Wir erwarten, dass die Arbeitgeber ihre Verweigerungshaltung aufgeben und ein verhandlungsfähiges Angebot vorlegen«, betonte hierzu Verdi-Bundesvorstandsmitglied Christoph Meister. Gegenstand der bisherigen Verhandlungen war neben den Gehaltsforderungen auch die soziale Ausgestaltung der digitalen Transformation in der Versicherungsbranche. Verdi hatte hierzu einen Entwurf für einen so genannten Zukunftstarifvertrag eingebracht, der Regelungen zum mobilen Arbeiten, zur Qualifizierung und zur Beschäftigungssicherung beinhaltet. Die Unternehmervertreter hatten alle diesbezüglichen Vorschläge von Verdi abgelehnt. Deshalb hatte die Tarifkommission der Gewerkschaft die Verhandlungen Anfang Juni nach der dritten Runde für gescheitert erklärt.

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