Aus: Ausgabe vom 14.06.2017, Seite 9 / Kapital & Arbeit

BRD-Wirtschaft besorgt wegen Katar-Krise

Gasmarkt: DIHK-Volkswirt warnt vor Verschärfung der Auseinandersetzungen am Golf

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Noch kann Katars größter Reichtum exportiert werden: Gastank nahe der Hauptstadt Doha

Die deutsche Wirtschaftslobby macht sich wegen der politischen Krise um das an Öl und Gas reiche Emirat Katar Sorgen. Bislang habe sie noch keine negativen Auswirkungen auf die Öl- und Gaspreise der hiesigen Unternehmen gehabt, sagte der Chefvolkswirt des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK), Volker Treier, am Dienstag in Berlin. »Das kann sich aber ändern«, warnte er. Vertiefe sich der Konflikt, könne das mehr Unsicherheit an den Energiemärkten auslösen. »Käme es gar zu einem Exportstopp für Erdgas, würde sich der Druck auf die Preise erhöhen.« Dann würde das auch die europäische Wirtschaft insgesamt treffen.

Katar exportiert zwar nach Treiers Worten kaum Erdöl nach Europa. Anders sehe das aber beim Gas aus. Hier sei das winzige Emirat ein relevanter Lieferant. »Immerhin bedient Katar 6,5 Prozent des europäischen Gasbedarfs«, erläuterte der DIHK-Funktionär. Erdgas aus der Monarchie der Familie Al Thani sei vor allem für Großbritannien, Belgien und Spanien von Bedeutung. Für die deutsche Wirtschaft dagegen spiele es keine direkte Rolle. »Ein knapperes Angebot kann sich über den EU-Gasgroßhandel aber auch auf Preise für Unternehmen in Deutschland auswirken«, orakelte Treier.

Prowestliche Monarchien und Diktaturen der Region hatten sich zuletzt mit ihrem bisherigen Verbündeten Katar überworfen. Eine Gruppe von Staaten um Saudi-Arabien, die Vereinigten Arabischen Emirate und Ägypten wirft dem kleinen, aber extrem reichen Wüstenstaat Terrorfinanzierung vor und hat das Land isoliert. Vor allem die Weigerung Katars, seine wirtschaftlichen und politischen Kontakte zu Teheran abzubrechen, gilt als Auslöser der Krise. Die Regierung in der katarischen Hauptstadt Doha weist die Anschuldigungen aus Riad zurück und wird inzwischen vom Iran und der Türkei in dieser Sache unterstützt. Derzeit laufen Bemühungen, den Konflikt zu entschärfen. Experten zufolge kann Katar sich wirtschaftlich nur halten, solange andere Golfstaaten nicht die Ausfuhr des Exportschlagers Flüssiggas stören. (Reuters/jW)

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