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Aus: Ausgabe vom 13.06.2017, Seite 15 / Betrieb & Gewerkschaft

Lesetips

Keine Trendwende

Unter Industriesoziologen ist derzeit vom »Comeback der Gewerkschaften« die Rede. Und in der Tat hat sich der Niedergang der Beschäftigtenorganisationen nicht so fortgesetzt, wie viele das noch vor einigen Jahren erwartet hatten. Doch übertreiben sollte man die Diagnose einer Stabilisierung von Mitbestimmung und Gewerkschaftsmacht besser nicht. Das zeigt die Analyse der Verbreitung von Tarifverträgen und Betriebsräten, die Peter Ellguth und Susanne Kohaut vom Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) alljährlich in den WSI-Mitteilungen vorlegen. Demnach hat sich die Abwärtsentwicklung zwar abgeschwächt, eine Trendwende ist aber längst nicht erreicht. Die langfristige Entwicklung ist eindeutig und ungebrochen. So waren 2016 in Westdeutschland 51 Prozent und im Osten 36 Prozent der Beschäftigten an Flächentarifverträge gebunden – 19 bzw. 20 Prozentpunkte weniger als 1996. Gegenüber 2015 ist die Tarifbindung im Westen stabil geblieben, im Osten um einen Prozentpunkt gefallen.

Zur sogenannten Kernzone des dualen Systems der Interessenvertretung – in der sowohl Branchentarifvertrag als auch Betriebsrat existieren – gehören im Westen nur noch 27, im Osten gerade mal 14 Prozent der Beschäftigten. Für 36 bzw. 47 Prozent bestehen weder Tarifbindung noch betriebliche Interessenvertretung. Seit 1996 ist die Kernzone damit um 14 bzw. 15 Prozentpunkte geschrumpft. Fazit: »Insgesamt wird deutlich, dass sich die institutionelle Basis der Interessenvertretung in Deutschland nach wie vor auf dem Rückzug befindet, auch wenn zwischenzeitlich Phasen einer Konsolidierung zu beobachten sind.«

WSI-Mitteilungen 4/2017, Jahresabo: 94,80 Euro (Studierende: 49,80 Euro). wsi-mitteilungen.de

Gegen Le Pen

Eine Mehrheit von 57 Prozent derjenigen, die den Neoliberalen Emmanuel Macron im zweiten Wahlgang zum französischen Präsidenten gewählt haben, wollte damit vor allem die Rechtsradikale Marine Le Pen verhindern. Diese und viele weitere interessante Informationen liefert eine Analyse im aktuellen Express, der auch über das Wahlverhalten von Arbeitern und Gewerkschaftern Auskunft gibt. Der Kritik am linken Kandidaten Jean-Luc Mélenchon, der eine Empfehlung für Macron im zweiten Wahlgang abgelehnt hatte (»abenteuerliche Positionierung«), muss man sich allerdings nicht anschließen.(dab)

Express – Zeitung für sozialistische Betriebs- und Gewerkschaftsarbeit, 5/2017, 16 Seiten, 3,50 Euro. labournet.de/express

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