Aus: Ausgabe vom 09.06.2017, Seite 8 / Ansichten

Krach in der US-Allianz

Katar-Konflikt

Von Knut Mellenthin
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Unter Freunden: Donald Trump beim »Arabisch-islsmsich-amerikanischen Gipfel« in Riad am 21. Mai. Auf dem Bild befinden sich sowohl der katarische Emir Scheich Tamim bin Hamad Al Thani als auch Saudi-Arabiens König Salman bin Abdulasis Al Saud

Donald Trump, der alles besser weiß und deshalb keine Berichte liest, verstand mal wieder gar nichts. Die Krise zwischen den US-Verbündeten Saudi-Arabien, den Vereinigten Emiraten und Katar begrüßte er deshalb in seinen ersten Twitter-Botschaften als Zeichen, dass sich seine Reise nach Riad vor zwei Wochen »ausgezahlt« habe.

Aber auch für solche Ernstfälle sind Staatsoberhäupter von Fachleuten umgeben. Außenminister Rex Tillerson, der seine Erfahrungen als Chef des Energiekonzerns Exxon sammelte und alle bedeutenden Politiker der Region kennt, rief die streitenden Parteien sofort auf, »sich zusammenzusetzen und ihre Meinungsverschiedenheiten zu regeln«. Pentagon-Sprecher bedankten sich bei Katar, das den größten und wichtigsten Militärstützpunkt der USA in der Region beherbergt. Grundsätzliche imperiale und militärstrategische Interessen der letzten Supermacht sind sehr viel wichtiger als die naiven Gefühlsbekundungen eines Amateurs, den ein schwerer Betriebsunfall der kapitalgesteuerten Demokratie ins Weiße Haus befördert hat.

Trump wünscht sich eine breite Kriegsallianz der sunnitischen Staaten gegen den schiitischen Iran. In diesem Bündnis soll auch Israel einen Platz finden. Die Idee ist nicht neu: Schon Trumps Vorgänger Barack Obama schürte das sektiererische Feuer zwischen den beiden größten Fraktionen der muslimischen Glaubensgemeinschaft und lieferte den Sunniten Milliardenwerte an Waffen für eine Explosion, deren verheerende Folgen voraussehbar sind.

Aber es ist mit diesem Kriegsbündnis nicht so einfach, wie ­Obama sich das vorgestellt hatte und wie es sich Trump in seiner Nachfolge denkt und wünscht. Die wichtigsten Träger dieser Wunschallianz sind die autoritären Staaten der arabischen Halbinsel. Sie verfügen zwar kaum über industrielle Strukturen, haben keine nationale Bourgeoisie und befinden sich noch in einem vorkapitalistischen Sta­dium. Aber sie haben aufgrund ihrer reichen Vorkommen an Öl und Erdgas sehr viel Geld. Sie setzen es unter anderem dazu ein, Einfluss­bereiche in weit ärmeren muslimischen Ländern an sich zu reißen.

Das treibt sie in eine Konkurrenz zueinander, die scharfe Formen annehmen kann. Katar zum Beispiel hat in Ägypten die demokratisch gewählte Regierung des Präsidenten Mohammed Mursi finanziell unterstützt, hinter dem die Muslimbruderschaft stand. Im Gegensatz dazu förderten Saudi-Arabien und die Vereinigten Arabischen Emirate Mursis Sturz und halten jetzt das Militärregime mit Milliardensubventionen lebensfähig. Ähnlich ist die Lage auch im benachbarten Libyen.

Im Moment können sich die führenden Kreise der USA nicht einmal sicher sein, ob ihre arabischen Verbündeten die ihnen gelieferten Waffen wirklich wunschgemäß gegen den Iran statt zuerst einmal gegeneinander richten werden.

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