Aus: Ausgabe vom 09.06.2017, Seite 2 / Inland

»Der Bunker wird noch massiver aussehen«

Denkmalgeschütztes Bauwerk in Hamburg soll aufgestockt werden. Investoren erhoffen sich die Einrichtung eines Hotels. Gespräch mit Mario Bloem

Interview: Kristian Stemmler
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»Mehr Mauerwerk, weniger Fenster«: Der Bunker an der Feldstraße in Hamburg soll umgebaut werden (31. Oktober 2014)

Eine Investorengruppe um den Pächter des denkmalgeschützten Hochbunkers auf dem Hamburger Heiligengeistfeld, Thomas Matzen, will den Bunker um fünf Stockwerke erhöhen. Statt bislang 35 Meter würde er dann etwa 60 Meter in die Höhe ragen. Ein Hotel und eine Mehrzweckhalle sollen entstehen, auf dem Dach soll ein Stadtteilgarten angelegt werden. Das Vorhaben soll angeblich der »Begrünung des grauen Kolosses« dienen. Ist das nur ein Werbespruch?

Ja, ohne die eindrucksvolle PR-Strategie des Investors wäre die Bunkeraufstockung sicher schnell gescheitert. Seine Werbeabteilung hat sich wirklich ins Zeug gelegt und eine Reihe professionell gestalteter Bilder erzeugt. Auf denen ist ein grüner, dschungelartig bewachsener Hügel auf dem Dach des grauen Feldstraßen-Bunkers zu sehen. So gelangte das Vorhaben auf die Titelseiten der Tagespresse und wurde als »grüne Mega-Idee« in den Himmel gelobt.

Gab es weitere Bestandteile dieser Kampagne?

Der zweite Schritt der PR-Strategen war es, noch ein paar grün-bewegte Bewohner aus der Nachbarschaft in ihre Strategie einzubeziehen. So wollte man zeigen, wie bürgernah das Projekt angelegt ist. Die Stadtteil-Initiative »Hilldegarden« lieferte die dazu passenden Texte. Die Stichworte waren: Urban Gardening, Nachhaltigkeit, Bergpfad, Gemüsegarten, Hängematten, Vogelhäuser, Wildblumenwiese.

Worum geht es Ihrer Meinung nach dem Investor?

Der Stadtgarten war nur das Lockangebot, die schöne Verpackung. Ich vermute, dass die echten Ziele die anderen Vorhaben sind: Aufstockung um fünf Geschosse, Errichtung einer Event-Halle für 2.200 Besucher, Bau eines Hotels mit 150 Zimmern, das Erreichen einer Pachtverlängerung um 99 Jahre ohne Zusatzkosten und das Schaffen von 12.000 Quadratmeter Bruttogeschossfläche. Sehr wichtig dürfte wohl auch das das Aushebeln des Denkmalschutzes durch angebliche »Stadtgarten-Wünsche der Anwohner« sein.

Sie konnten jetzt Einblick in die Pläne nehmen. Wie grün wird der Bunker tatsächlich werden?

Das Grün muss wegen Brandschutzauflagen offenbar reduziert werden. Laut Baugenehmigung sind »Türen und Fenster, die als Rettungswege einzustufen sind, (…) auf einer Breite von einem Meter von einer Bepflanzung freizuhalten. Überhängende Pflanzen sind in dem Bereich nicht zulässig und zu entfernen. Durchwachsende Triebe in Richtung Fassade sind zu entfernen.« Der grüne Hügel ist somit wohl passé. Wird die genehmigte Aufstockung durchgeführt, dann sieht das Bauwerk noch massiver aus – mehr Mauerwerk, weniger Fenster –, als viele es bereits befürchtet haben. Doch den Investor und die Hotelgäste wird dies wohl freuen. Denn dass die Fenster, die von der Behörde als Rettungswege eingestuft werden, von jeglicher Begrünung freizuhalten sind, heißt: freier Blick über Hamburg – kein Grünzeug vor der Nase!

Heike Sudmann, stadtentwicklungspolitische Sprecherin der Linksfraktion in der Bürgerschaft, hält die Baupläne und damit auch die Baugenehmigung für rechtlich nicht haltbar. Sehen sie das auch so?

Ja, ich stimme der Einschätzung von Heike Sudmann zu. Mir erscheint ebenfalls, dass hier Grenzen des Baurechts deutlich überschritten werden. Gleich fünf Geschosse ohne Bebauungsplan, eine außenliegende Stahlrampe, die das Gebäude wie ein Korsett umschlingt, und Säulen, die in 40 Meter Höhe auf den Bunkerkragen aufgesetzt werden – da musste ich mir schon die Augen reiben.

Würde sich die Feldbunker-Initative, in der Sie sich engagieren, einer Klage der Linksfraktion anschließen?

Inhaltlich würde die Feldbunker-Initiative sicherlich eine Klage der Linksfraktion sehr begrüßen und unterstützen. Leider haben wir kein Klagerecht.

Bezirk Mitte und Senat haben das Projekt durchgewinkt, die Bürgerschaft soll spätestens im Juli entscheiden. Haben Sie noch Hoffnung, das es politisch gestoppt wird, etwa durch ein Veto der mitregierenden Grünen?

Ja, die Hoffnung habe ich.

Mario Bloem ist unabhängiger Stadtentwicklungsplaner in Hamburg und seit 2015 Mitglied und Berater der Feldbunker-Initiative gegen die Aufstockung des Bunkers im Hamburger Stadtteil St. Pauli

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