Aus: Ausgabe vom 07.06.2017, Seite 6 / Ausland

Risse in Trumps Koalition

Saudi-Arabien will Katar isolieren. Verkehrsverbindungen unterbrochen. Vermittlungsversuche Kuwaits und Omans

Von Knut Mellenthin
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Die Regale leerkaufen, bevor es ein anderer tut: In Doha legen sich viele Bewohner nach der Ankündigung Saudi-Arabiens, das Land zu blockieren, Vorräte an (5.6.2017)

Die Krise zwischen einer von den Saudis angeführten Allianz arabischer Staaten und Katar hat sich weiter verschärft. Seit Dienstag morgen sind alle Verkehrsverbindungen des Fürstentums mit Saudi-Arabien, den Vereinigten Arabischen Emiraten (VAE), Bahrain und Ägypten unterbrochen. Schiffe aus Katar dürfen keine Häfen der vier Länder mehr anlaufen.

Diese liefern ihrerseits keine Waren mehr in den Kleinstaat, der auf einer Halbinsel liegt und, abgesehen von der 60 Kilometer langen Landgrenze zu Saudi-Arabien, von Wasser umgeben ist. Katar ist zwar weltweit das Land mit dem höchsten Pro-Kopf-Einkommen, produziert aber außer Gas und Erdöl so gut wie nichts und ist daher völlig von Importen abhängig. Darunter sind normalerweise Gemüse, Früchte und andere Lebensmittel aus ­Saudi-Arabien und den Emiraten. Aus Furcht vor Engpässen kam es schon am Montag zu »Hamsterkäufen«. Indessen hat Iran sofort seine Bereitschaft erklärt, mit Lebensmittellieferungen auszuhelfen.

Die saudisch geführte Allianz hatte in den frühen Montagstunden den Abbruch der diplomatischen Beziehungen mit Katar bekanntgegeben. Begründet wurde dieser Schritt mit der Behauptung, das Emirat beherberge »eine Vielzahl terroristischer und sektiererischer Gruppen, deren Ziel es ist, die Region zu destabilisieren«.

Entgegen einem Appell der Saudis an die islamische Welt sind bisher nur wenige Staaten ihrem Beispiel gefolgt. Lediglich die Inselgruppe der Malediven im Indischen Ozean, der ostafrikanische Inselstaat Mauritius und im Namen des Jemen die Regierung des im saudischen Exil lebenden Präsident Abed Rabbo Mansur Hadi haben die Beziehungen zu Katar abgebrochen. Auf der anderen Seite sind Kuwait und Oman bemüht, den Konflikt als Vermittler zu entspannen.

Das Verhältnis zwischen Saudi-Arabien und Katar ist schon lange schlecht. Das liegt nicht zuletzt daran, dass der Kleinstaat die Frontbildung gegen den Iran nicht mitmacht. Im März 2014 hatten die Saudis und deren Verbündete schon einmal ihre Diplomaten aus Doha abberufen und erst im November wieder zurückgeschickt.

Die gegenwärtige Zuspitzung wurde dadurch ausgelöst, dass über die Nachrichtenagentur Katars am 24. Mai angebliche Äußerungen des Staatsoberhaupts, Scheich Tamim bin Hamad Al Thani, verbreitet wurden. Demzufolge hatte der Emir sich dafür ausgesprochen, Iran nicht anzufeinden, sondern als »islamische Regionalmacht« und wichtigen Faktor der Stabilität zu respektieren. Er hatte außerdem Hamas als »legitime Vertreterin des palästinensischen Volkes« bezeichnet, aber auch die »guten Beziehungen« seines Landes zu Israel betont. Die Regierung von Katar hatte diese Aussagen sofort als Fälschungen zurückgewiesen und Hacker dafür verantwortlich gemacht.

Die dadurch ausgelöste Polemik erhielt am Sonnabend neuen Zündstoff. An diesem Tag begann eine bisher unbekannte, unter dem Namen »Global Leaks« agierende Gruppe, erbeutete E-Mails aus dem Account des Botschafters der VAE in den USA, Jusuf Al-Otaiba, an mehrere ausgewählte Medien zu verteilen. Der jetzt 43jährige übt dieses Amt schon seit Juli 2008 aus, was nach internationalen Gepflogenheiten eine außergewöhnliche lange Zeit ist. Manche US-Medien halten ihn für den einflussreichsten arabischen Diplomaten in Washington.

Die bisher veröffentlichte Korrespondenz, die nur bis ins Jahr 2014 zurückreicht, zeigt Otaiba als rührigen Intriganten gegen Katar und den Iran. Besonders viele E-Mails tauschte der Botschafter mit Führungspersonen der neokonservativen Foundation for Defense of Democracies aus. Sie spielt in der Kampagne gegen Katar eine zentrale Rolle.

Auch mit dem früheren Verteidigungsminister unter George W. Bush und Barack Obama, Robert Gates, steht Otaiba in regelmäßigem Kontakt. Gates leitet seit einigen Jahren gemeinsam mit zwei ehemaligen Spitzfunktionären der Bush-Administration, Condoleezza Rice und Stephen Hadley, eine Beratungsfirma. Zu ihren Kunden gehört laut Pressemeldungen der Energiekonzern Exxon, dessen Chef Rex Tillerson gegenwärtig US-Außenminister ist.

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