Aus: Ausgabe vom 20.05.2017, Seite 7 / Ausland

Trump erfindet sich neu

Bei Besuch in Saudi-Arabien will sich US-Präsident als Freund der islamischen Welt präsentieren

Von Knut Mellenthin
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Mit Unterstützung Washingtons: Saudi-Arabien führt mit Hilfe der USA im Nachbarland Jemen seit zwei Jahren Krieg (Sanaa, 6.2.2017)

Donald Trump ist am Freitag zu seiner ersten Auslandsreise als Präsident der USA aufgebrochen. An diesem Wochenende erwartet ihn mehrere Gespräche und Auftritte in der saudi-arabischen Hauptstadt Riad. Am Montag besucht Trump Israel, wo er neben politischen Treffen einen privaten Besuch an der Westmauer, umgangssprachlich Klagemauer genannt, in der Altstadt von Jerusalem plant. Weitere Stationen der Reise sind eine Audienz beim Papst im Vatikan, der NATO-Gipfel in Brüssel sowie in Taormina auf Sizilien das Treffen der Staats- und Regierungschefs der »G7«.

Verglichen mit seinem Vorgänger ist Trump mit dem Beginn seiner Auslandsreisen etwas in Verzug und weicht zudem vom üblichen Schema ab. Barack Obama absolvierte zunächst am 19. Februar 2009 einen Staatsbesuch im Nachbarland Kanada, gefolgt von einer Reise nach London vom 31. März bis zum 2. April 2009. Großbritannien als traditioneller Hauptverbündeter der Vereinigten Staaten steht normalerweise ganz oben auf der Liste der Reisepläne der US-Präsidenten. Am 5. April 2009 war Obama zu Gesprächen in Prag, stellvertretend für die ganze EU, weil Tschechien damals den Vorsitz im Europarat führte. Dort hielt Obama eine vielbeachtete Rede, in der er von einer »Welt ohne Atomwaffen« schwärmte. Saudi-Arabien besuchte Obama erst Anfang Juni 2009, was aber immer noch einen der führenden Plätze unter den »strategischen Verbündeten« der USA signalisierte.

Vermutlich wäre auch Trump gern der alten Sitte treu geblieben, die Auslandsreisen mit einem Besuch in der britischen Hauptstadt zu beginnen. Eine Einladung hatte Premierministerin Theresa May schon am 27. Januar, nur eine Woche nach Trumps Amtsübernahme, bei einem Besuch im Weißen Haus ausgesprochen. Damit hatte sie jedoch nicht nur die britische Öffentlichkeit, sondern anscheinend auch die Queen überrumpelt. Auf jeden Fall wären heftige Protestdemonstrationen in London zu erwarten gewesen.

Damit muss der US-Milliardär in Riad nicht rechnen. Die Gastgeber haben ein außergewöhnlich großes Programm für ihn vorbereitet. Neben einem Empfang bei König Salman wird Trump auch die Monarchen des Golfrats treffen, dem mit Ausnahme des Jemen alle Staaten der arabischen Halbinsel angehören. Darüber hinaus wird Trump auch an einem zu seinen Ehren veranstalteten Fototermin teilnehmen, zu dem angeblich über 50 »Führer und Vertreter« aus der gesamten muslimischen Welt kommen sollen. Erwartet werden nach Angaben des saudischen Außenministeriums unter anderem 37 Staatsoberhäupter und mindestens sechs Regierungschefs.

Zusammen mit König Salman soll Trump in Riad ein »Globales Zentrum zur Bekämpfung extremistischer Ideologien« einweihen. Voraussichtlich wird das der Höhepunkt des Besuchs: Trump will dort eine Rede halten, die sich nicht nur mit dem Krieg gegen islamistische Terrororganisationen, sondern auch mit der Religionsgemeinschaft des Islam, der weltweit mehr als 1,7 Milliarden Menschen angehören, beschäftigen soll. Es wird erwartet, dass der US-Präsident dabei versuchen wird, sich von dem schlechten Ruf als Muslimfeind und Ignorant zu befreien, den er sich selbst zugezogen hat. Im Vorfeld wurden bereits Vergleiche zur Rede Obamas gezogen, mit der er am 4. Juni 2009 in der Universität Kairo die Muslime der Welt zu umgarnen versuchte.

Vermutlich werden während Trumps Besuch in Riad Verträge über die Lieferung von US-Waffen an Saudi-Arabien in einem Gesamtwert von mindestens 110 Milliarden US-Dollar bekanntgegeben. Ausgehandelt wurden diese selbstverständlich schon in den vergangenen Monaten, wobei der Schwiegersohn des Präsidenten, Jared Kushner, eine zentrale Rolle spielte. Es wird allgemein angenommen, dass daraus im Laufe der nächsten zehn Jahre bis zu 300 Milliarden US-Dollar werden könnten. Ziel der hybriden Kriegsrüstung ist der Iran, der selbst über kein offensives Militärpotential verfügt.

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