Aus: Ausgabe vom 20.05.2017, Seite 1 / Titel

Braune Kaderschmiede

Bundeswehr-Universität im Visier des Militärgeheimdienstes. Offenbar Netzwerk von potentiellen Rechtsterroristen und »Identitärer Bewegung«

Von Jörg Kronauer
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Ermittlungen wegen des »Verdachts auf Rechtsextremismus«: Offizieranwärter der Bundeswehr-Universität in München im Juni 2013

Die Münchner Bundeswehr-Universität gerät in den Fokus der Untersuchungen über extrem rechte Netzwerke in der deutschen Armee. Wie die Süddeutsche Zeitung am Freitag berichtete, überprüft der Militärgeheimdienst MAD gegenwärtig vier Studenten der Hochschule wegen des »Verdachts auf Rechtsextremismus«. Insgesamt zählen zu den aktuell 284 Verdächtigen in der Bundeswehr mindestens elf Militär-Akademiker. Demnach unterhalten Studenten und Absolventen der Münchner Uni unter anderem Kontakte zu der extrem rechten Modeströmung »Identitäre Bewegung« (IB). Diese setzt sich gern öffentlichkeitswirksam in Szene, wie etwa am Freitag mit einer versuchten »Besetzung« des Bundesjustizministeriums in Berlin, welche letztlich scheiterte.

Der terrorverdächtige Oberleutnant Franco Albrecht und sein mutmaßlicher Komplize Maximilian T. hatten offenbar beide Kontakt zu einem Studenten der Bundeswehr-Uni in München, der dem MAD schon früher aufgefallen war. Wie dpa am Freitag aus Parlamentskreisen erfuhr, soll sich dieser Student am Bundeswehr-Standort Munster aufgehalten haben, als dort im Februar Schusswaffen und Munition aus einem Panzer gestohlen wurden.

Im Mittelpunkt des studentischen Netzwerks in München steht der Süddeutschen zufolge Oberleutnant Felix Springer. Springer ist einer der drei Studenten, die 2011 bundesweit Schlagzeilen gemacht hatten, als sie die Redaktion von Campus, der Studierendenzeitschrift der Münchner Uni, übernahmen und dort ultrarechte Positionen propagierten. Alle drei hatten schon zuvor in Medien der »Neuen Rechten« publiziert (siehe jW vom 12. Mai). Versuche der Universitätspräsidentin, ihrem Treiben ein Ende zu setzen, scheiterten damals am Widerstand von Studenten und einigen Professoren. Springer ist, wie sich jetzt zeigt, nicht nur publizistisch weiterhin aktiv gewesen, sondern auch politisch – bei der IB. Laut einem Bericht des Online-Magazins Regensburg Digital nahm Springer beispielsweise an einer IB-Demonstration zu Jahresbeginn 2016 im bayerischen Freilassing teil, während er beim Panzergrenadierbataillon 122 in Oberviechtach stationiert war.

Springer hat sich in den letzten Jahren auch als Autor auf Sezession, dem Online-Portal des »Instituts für Staatspolitik«, einen Namen gemacht. Dort ist der Oberleutnant unter anderem mit markigen Sprüchen über die Bundeswehr hervorgetreten: Der »Dienst des Kämpfers«, schrieb er etwa, liege »immer in zwei Leistungen begründet, die er allen anderen abnehmen soll: Töten und Sterben«. Das »Institut« ist der zentrale Think-Tank der »Neuen Rechten«. Bekannt ist es unter anderem, weil sein führender Kopf Götz Kubitschek als Mentor von AfD-Rechtsaußen wie Björn Höcke gilt. Kubitschek, ebenfalls ein gedienter Soldat, war Ende der 1990er Jahre mit der Truppe im Kosovo. 2001 wurde er entlassen – wegen Beteiligung an »rechtsextremistischen Bestrebungen«. Sein »Institut«, für das Oberleutnant Springer tätig gewesen ist, ohne Konsequenzen fürchten zu müssen, unterhält wiederum beste Beziehungen zu den »Identitären«.

»Bei Neonazis in der Bundeswehr reden wir offensichtlich längst nicht mehr von Einzelfällen, sondern von einem System des jahrelangen Wegschauens und der schweigenden Unterstützung«, kommentierte Nicole Gohlke, hochschulpolitische Sprecherin der Linksfraktion, die aktuellen Enthüllungen.

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