Aus: Ausgabe vom 19.05.2017, Seite 8 / Ansichten

Ostzoologin des Tages: Iris Gleicke

Von Arnold Schölzel
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Am Donnerstag waltete die »Beauftragte der Bundesregierung für die neuen Bundesländer«, Iris Gleicke (SPD), ihres Amtes und führte den alten Karrengaul »brauner Ossi« in Gestalt einer Studie über »Rechtsextremismus in Ostdeutschland« im hauptstädtischen Medienzirkus vor. Der Schindmähre ist so dürr wie vor 27 Jahren. Damals wurde der westdeutsche Investigativjournalist über Nacht zum Ostzoologen, der in der Ossi-DNA neben dem Nazigen u. a. »Stasi«, »zwei Diktaturen«, »totalitär« und »stalinistisch« ausmachte. Später kamen hinzu: »Zwangstopfen«, »alle gedopt« oder: »von der SED erzwungene Proletarisierung eine der wesentlichen Ursachen für Verwahrlosung und Gewaltbereitschaft«. Der das 2005 von sich gab, war ein früherer Rechtsaußengeneral der Bundeswehr und damals brandenburgischer Innenminister. Wie er kommt das höhere Staatspersonal seit 1990 im Osten komplett aus den alten Bundesländern – vom alten SS-Haudegen, der die Humboldt-Universität vom Marxismus befreite, über Aufbauhelfer vom Verfassungsschutz für den NSU bis zum Dresdner Landrichter Jens Maier, der neulich für die AfD von »Schuldkult« und »Herstellung von Mischvölkern« schwadronierte. In Sachsen gibt es heute keinen Amtsrichter ostdeutscher Herkunft.

Na und? Die Verfasser der Gleicke-Studie haben z. B. herausgefunden, dass in vielen Osteinrichtungen ein »großes Unbehagen am Politischen« herrscht, »das u. a. auf die Erfahrungen mit der Staatspolitisierung der auf Parteilinie getrimmten DDR-Institutionen zurückzuführen ist«. Woher soll so ein »Forscher« wissen, dass allabendlich in der DDR drei Nachrichtensendungen (zwei West, eine Ost) gesehen wurden und die politische Aufklärung weiter war. Unbehagen am Politischen? Nach 27 Jahren interessiert sich kaum einer fürs Geleier von Gleicke und Co. Das zu notieren, hätte allerdings das Honorar der Studienverfasser aus Göttingen gefährdet, also die Freiheit der Wissenschaft.

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