Aus: Ausgabe vom 18.05.2017, Seite 2 / Ausland

Putin bietet Protokolle

Moskau will Inhalt von Gespräch zwischen Trump und Lawrow veröffentlichen

Trump_trifft_Lawrow_53449723.jpg
Und das Tonband lief mit: US-Präsident Donald Trump und der russische Außenminister Sergej Lawrow am 16. Mai in Washington

Hat er oder hat er nicht? US-Präsident Donald Trump soll Russland »geheime Informationen« weitergegeben haben. Der russische Präsident Wladimir Putin hat sich am Mittwoch bereit erklärt, den genauen Inhalt des Gesprächs zwischen Trump und dem russischen Außenminister Sergej Lawrow zu veröffentlichen. »Wenn die US-Regierung das für möglich hält, sind wir bereit, eine Mitschrift des Gesprächs dem US-Kongress zur Verfügung zu stellen«, sagte Putin in Sotschi vor Journalisten.

Trump soll in dem Gespräch vergangene Woche geheime Informationen preisgegeben haben. In den USA wird ihm vorgeworfen, damit die Quellen eines befreundeten ausländischen Geheimdienstes gefährdet zu haben. Darunter seien laut Washington Post Details über einen Anschlagsplan des »Islamischen Staates« gewesen. Russland dementierte die Berichte als »Fake News«. Putin sagte zu der Kontroverse in den USA, dort entwickele sich »politische Schizophrenie«. Trump indes hatte am Dienstag die Weitergabe von Informationen als angemessen verteidigt. Er habe Lawrow lediglich Fakten über Terrorismus und Flugsicherheit weitergegeben. Dazu habe er als Präsident das Recht.

Im Gegenzug machte sich Putin über die US-Debatte lustig. Er könnte Lawrow eine »Rüge« aussprechen, weil dieser »diese Geheimnisse nicht mit uns geteilt hat – weder mit mir noch mit den Vertretern der russischen Geheimdienste. Das ist sehr böse von ihm«, sagte er.

Unterdessen berichteten verschiedene US-Medien, darunter die Zeitung New York Times, Trump habe den damaligen FBI-Chef James Comey aufgefordert, die Ermittlungen gegen Ex-US-Sicherheitsberater Michael Flynn wegen dessen Kontakte nach Russland einzustellen. Die Zeitung beruft sich auf eine Notiz, die Comey zu einem Treffen mit Trump verfasst habe. Der Präsident hatte Comey am 9. Mai fristlos gefeuert. Das Weiße Haus widersprach den Berichten unmittelbar. Trump habe niemals um eine Einstellung jedweder Ermittlungen gebeten, auch nicht gegen Flynn. Dieser war im Februar als Sicherheitsberater zurückgetreten, weil er noch vor Amtsantritt Trumps mit dem russischen Botschafter Gespräche über Sanktionen geführt und dies verheimlicht hatte.(AFP/dpa/jW)

Lesen und lesen lassen (Login erforderlich) Ich will auch!
Neue Ausgabe vom Samstag, 24. Juni erschienen — jetzt einloggen! Oder abonnieren.
Mehr aus: Ausland
  • Frankreichs Präsident Macron stellt seine Regierung vor. Von der Geldwirtschaft ­finanziert. Linke wird ­marginalisiert und dämonisiert
    Hansgeorg Hermann, Paris
  • »Historischer Gipfel« des türkischen Präsidenten Erdogan bei US-Präsident Donald Trump dauerte 20 Minuten
    Nick Brauns
  • Indonesien: Schwule zur Auspeitschung verurteilt. Präsident will Fundamentalismus eindämmen
    Thomas Berger