Aus: Ausgabe vom 11.05.2017, Seite 2 / Ausland

Pentagon bewaffnet YPG

Maschinengewehre und Panzer für kurdische Kämpfer: USA brüskieren Ankara

Von Nick Brauns
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YPG-Kämpfer 2015 auf einem Panzer nördlich von Rakka

Trotz Protesten aus der Türkei will die US-Regierung die kurdischen Volksverteidigungseinheiten (YPG) im Norden Syriens mit direkten Waffenlieferungen im Kampf gegen den »Islamischen Staat« (IS) unterstützen. US-Präsident Donald Trump habe dies am Montag angeordnet, verkündete die Sprecherin des US-Verteidigungsministeriums, Dana W. White, am Dienstag abend in Washington. Laut Medienberichten geht es um Handfeuerwaffen, schwere Maschinengewehre und Munition sowie gepanzerte Fahrzeuge. Die Entscheidung der USA käme zwar »etwas spät«, erklärte YPG-Sprecher Redur Xelil am Mittwoch. Doch sie werde »allen demokratischen Kräften starken Auftrieb im Kampf gegen den Terrorismus geben und zu positiven, großen und schnellen Ergebnissen führen«. Der türkische Vizeministerpräsident Nurettin Canikli bezeichnete am Mittwoch die angekündigten Waffenlieferungen gegenüber dem Fernsehsender A Haber als »inakzeptabel«. Ankara betrachtet die YPG als syrischen Ableger der in der Türkei als terroristisch verfolgten Arbeiterpartei Kurdistans (PKK).

Die USA hatten schon in der Vergangenheit Waffen an die aus kurdischen, arabischen, assyrischen und turkmenischen Milizen gebildeten »Demokratischen Kräfte Syriens« (DKS) geliefert, deren stärkste Komponente die YPG bilden. Doch mit Rücksicht auf die Türkei waren diese Lieferungen bislang nur für die arabischen Einheiten innerhalb der DKS bestimmt. Gegenüber der Türkei versicherte Pentagon-Sprecherin White, zusätzliche Sicherheitsrisiken vermeiden und den NATO-Partner schützen zu wollen. Die DKS seien aber die einzigen Kräfte am Boden, die mit Unterstützung der US-geführten Anti-IS-Koalition Rakka einnehmen könnten. Dagegen fordert Ankara von den USA, die Offensive gegen die vom IS kontrollierte Stadt nicht mit Hilfe der Kurden, sondern durch die türkische Armee durchführen zu lassen.

Die Ankündigung der Waffenlieferungen erfolgte wenige Tage nach einem Besuch des türkischen Geheimdienstchefs Hakan Fidan und von Generalstabschef Hulusi Akar am Wochenende in Washington. In der kommenden Woche will sich Trump mit dem türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan treffen.

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