Aus: Ausgabe vom 29.04.2017, Seite 14 / Leserbriefe

Aus Leserbriefen an die Redaktion

Frankfurter Engel

Zu jW vom 25. April: »Homosexuelle Frauen sind bis heute quasi ›unsichtbar‹«

Dass die verfolgten und ermordeten homosexuellen Frauen bis heute quasi unsichtbar seien, stimmt nicht ganz, wenn es auch für Ravensbrück sicher bis in die letzten Tage gestimmt hat.

Seit 1994 steht auf dem Sockel des Frankfurter Mahnmals Homosexuellenverfolgung (»Frankfurter Engel«) dieser Satz: »Homosexuelle Männer und Frauen wurden im Nationalsozialismus verfolgt und ermordet. Die Verbrechen wurden geleugnet, die Getöteten verschwiegen, die Überlebenden verachtet und verurteilt. Daran erinnern wir in dem Bewusstsein, dass Männer, die Männer lieben, und Frauen, die Frauen lieben, immer wieder verfolgt werden können. Frankfurt am Main. Dezember 1994«.

Am Zustandekommen des Mahnmals war ich seinerzeit entscheidend beteiligt. Es ist meines Wissens das erste Denkmal für die ermordeten Homosexuellen beiderlei Geschlechts, das in Deutschland realisiert wurde. Es steht auf dem Klaus-Mann-Platz. Rosemarie Trockel hat das Mahnmal geschaffen. Den Frankfurter Engel schmückt sehr oft eine Rose, die Frauen und Männer, die dort an die Ermordeten und Verfolgten denken, ihm in den Arm legen.

Elisabeth Abendroth, Frankfurt am Main

Den Deckel gelüftet

Zu jW vom 22./23. April: »Marktradikaler ­Terrorismus«

Was für eine Welt! Wenn sich also Aktien »bewegen«, egal ob rauf oder runter, kann richtig Zaster gemacht werden. Mensch muss nur den »richtigen« Dreh finden. Das verbrecherische Attentat des kriminellen Subjekts Sergej W. auf den BVB ist für die Kriminologie in seiner Abfolge, so zu hören, neu – die Ursache wohl eher nicht. Der Hintergrund dieses kriminellen Aktes lüftet nebenbei schon ein wenig den Deckel über dem, was sich so mit den Börsenpapierchen machen lässt. Mensch braucht nur den Finger auf die richtige Taste zu legen. Mit ehrlicher Arbeit hat das alles wenig oder nichts zu tun.

Willi Hoffmeister, Dortmund

Löbliche Ausnahme

Zu jW vom 25. April: »Strategie des Terrors«

Die Linke muss ihre Solidarität mit den Alba-Staaten wie Kuba, Venezuela, Bolivien und Nicaragua stärken und darf nicht auf die fast immer völlig einseitige Berichterstattung der Medien hereinfallen! Die junge Welt ist da eine löbliche Ausnahme. All diejenigen, die jetzt Nicolás Maduro als den großen Diktator diffamieren, seien gefragt, ob z. B. die Bundesregierung hierzulande eine Opposition (z. B. die Partei Die Linke) dulden würde, die seit Jahren zum gewaltsamen Sturz des gewählten Präsidenten und der Regierung aufruft und es schon einmal gegen Hugo Chávez vergeblich versucht hat. Solche Organisationen würden hierzulande sofort als terroristisch verboten werden. Auch ist es nicht normal, wenn Unternehmerverbände über Monate hinweg Waren des täglichen Bedarfs der Bevölkerung vorenthalten, um sie zum Sturz der Regierung zu zwingen. Diese verbrecherischen, von US-Organisationen und Stiftungen unterstützten Machenschaften werden hierzulande gerne verschwiegen (…). Maduro hat sicher auch einige Fehler begangen, aber die gezielten Destabilisierungsaktionen sind zu verurteilen! Solidarität mit der bolivarianischen Revolution ist auch weiterhin angebracht! (…)

Carsten Schulz, Berlin

In der Not kein Partner

Zu jW vom 26. April: »›Syriza wollte ­Einschnitte mildern‹«

(…) Ich finde dieses Gespräch mit dem stellvertretenden Vorsitzenden der Linkspartei, Axel Troost, erschreckend nichtssagend und verharmlosend. (…) Über weite Strecken hat man den Eindruck, dass Troost die griechische Situation als »alternativlos« ansieht. Natürlich hatte und hat die Syriza-Regierung wenig Spielraum und musste und muss zur Abwendung der Staatspleite Griechenlands geradezu menschenfeindliche Entscheidungen treffen. Nur (…), wen verwundert das denn tatsächlich? Wo findet denn die griechische Regierung innerhalb Europas Unterstützung von sich links wähnenden Parteien?

Aus meiner Sicht hat sich Die Linke hierzulande mit dem griechischen Niedergang weitgehend abgefunden. Wo ist denn der öffentlich wahrnehmbare Protest gegen den Ausverkauf griechischen Tafelsilbers u. a. an deutsche Staatsunternehmen (z. B. Verschleuderung von 14 profitablen Flughäfen an Fraport)? Wo ist der öffentlich wahrnehmbare linke Aufschrei gegen den rabiaten Sozialabbau? Man hat sich offenbar in die träge und warme Position des satten Deutschen zurückgezogen. Beim Lesen solcher Aussagen können linke Parteien in den anderen südeuropäischen »Krisenländern« nur den Eindruck gewinnen, dass die deutsche Linkspartei in der Not kein Partner für sie ist.

Frank-Uwe Albrecht, per E-Mail

Hinter Gittern arm

Zu jW vom 26. April: jW-Spezial »Erster Mai«

Solidarische Grüße aus dem Knast! Trotz Lohn bleiben Arbeiterinnen und Arbeiter hinter Gittern arm. Und weiterhin verdienen die Großkonzerne Milliarden mit der Ausbeutung von Arbeitern vor und hinter den Mauern. Schreit unseren Zorn heraus am 1. Mai! Beschäftigte innerhalb und außerhalb der Knastmauern müssen sich solidarisieren! (…)

Andre Borris Moussa Schmitz, JVA Wuppertal

Revolutionäres Dorfkollektiv

Zu jW vom 22./23. April: »Idylle«

Liebe Freunde, am letzten Wochenende konnte man ja nix anderes machen, als den Franzosen einen Rest von Vernunft zu wünschen und Euer Kreuzworträtsel zu lösen. Ja, ich weiß, auch Gesicht zeigen gegen die AfD – aber Köln ist von der polnischen Grenze schon ziemlich weit weg. Also haben wir gerätselt – Ihr wisst schon, das revolutionäre Dorfkollektiv – und folgende Lösung gefunden: Spitzensteuersatz.

Uli Jeschke, Sprecher (und auch Schreiber, wie man sieht), Chorin

Die Linke muss ihre Solidarität mit den Alba-Staaten wie Kuba, Venezuela, Bolivien und Nicaragua stärken und darf nicht auf die fast immer völlig einseitige Berichterstattung der Medien hereinfallen!