Aus: Ausgabe vom 26.04.2017, Seite 2 / Ausland

Trauer in Mérida und Barinas

Weitere Opfer in Venezuela. Opposition protestiert mit Sitzblockaden

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Regierungsgegner bauen am Montag in Caracas Barrikaden

Die anhaltenden Unruhen in Venezuela haben erneut Menschenleben gefordert. Im Gespräch mit dem staatlichen Fernsehen VTV erklärte der Gouverneur von Mérida, Alexis Rodríguez, dass ein Mitarbeiter seiner Verwaltung getötet und vier weitere verletzt wurden. Sie wurden demnach von Regierungsgegnern in einen »Hinterhalt« gelockt. Bei einem der Verletzten handelt es sich dem Bericht zufolge um den Ombudsmann des Bundesstaates, Camilo Vásquez, der versucht hatte, mit den Oppositionellen zu verhandeln.

In Venezuela ist der Ombudsmann – wörtlicher Titel: Verteidiger des Volkes – ein von der Exekutive unabhängiges Amt, dessen Inhaber die Einhaltung der Menschenrechte überwachen und die Beseitigung von Missständen einfordern soll. Nach der venezolanischen Verfassung bildet er zusammen mit der Generalstaatsanwaltschaft und dem Rechnungshof als »Republikanischer Moralischer Rat« eine der Staatsgewalten des Landes.

Auch im Bundesstaat Barinas wurde ein Mensch erschossen. Gouverneurin Zenaida Gallardo machte dafür im lateinamerikanischen Fernsehsender Telesur ebenfalls die Rechte verantwortlich. »Wir bedauern sehr, dass durch solche vollkommen sinnlosen Aktionen der rechten Führer Trauer über eine Familie aus Barinas gebracht wurde«, erklärte sie. Oppositionsvertreter erklärten dagegen der Nachrichtenagentur AFP zufolge, Renzo Rodríguez Roda sei von »sozialistischen Paramilitärs« ermordet worden. Die Generalstaatsanwaltschaft hat die Ermittlungen übernommen.

Landesweit hatten sich am Montag Tausende Regierungsgegner an Straßenblockaden beteiligt, die zumeist friedlich verliefen. Im Osten der Hauptstadt Caracas kam es allerdings zu Gewalt, als zwei Lastwagen von staatlichen Unternehmen in Brand gesetzt wurden.

Für den heutigen Mittwoch kündigte der Oppositionsabgeordnete Miguel Pizarro eine Demonstration an, die zu einem Regierungsgebäude im Stadtzentrum führen solle. Ein genaues Ziel nannte Pizarro nicht. Damit sind erneute Zusammenstöße absehbar, denn die Sicherheitskräfte stellen sich nicht angemeldeten Demonstrationen normalerweise entgegen. Zudem verweigern die Behörden des Innenstadtbezirks Liber­tador der Opposition meist die Genehmigung für Märsche in das Regierungsviertel, da es aus solchen Demonstrationen heraus immer wieder zu Angriffen auf Behördengebäude gekommen war. (AFP/AVN/jW)

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