Aus: Ausgabe vom 20.04.2017, Seite 2 / Inland

Frauke Petry wirft hin

AfD-Parteichefin verzichtet auf Spitzenkandidatur zur Bundestagswahl

Von Michael Merz
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Unter Beschuss aus den eigenen Reihen: AfD-Chefin Frauke Petry während einer Wahlkampfveranstaltung in Essen (8. April)

Mit hochgezogenen Augenbrauen vor zerknitterter Deutschlandfahne richtete Frauke Petry am Mittwoch eine Videobotschaft an die Mitglieder der »Alternative für Deutschland« (AfD). Die Parteichefin werde »weder für eine alleinige Spitzenkandidatur noch für eine Beteiligung im Spitzenteam zur Verfügung stehen«. Für die von Grabenkämpfen gebeutelte AfD ein Paukenschlag, schließlich will die rechte Organisation am Wochenende in Köln ihren Bundesparteitag abhalten, bei dem auch das Spitzenpersonal für die Bundestagswahl im September aufgestellt werden soll. In dem auf ihrer Facebook-Seite verbreiteten Video warnte Petry vor einer »fundamentaloppositionellen Strategie«, womit sie offenbar die ultrarechten Positionen der Parteiströmung »Der Flügel« um den Thüringer Fraktionschef Björn Höcke meint. Diese gehe mit dem »Verschrecken vieler Mitglieder und heimatloser Bürger« einher. Hingegen warb Petry für einen »realpolitischen« Kurs.

Frauke Petry ist im Vorfeld des Parteitags in Köln zunehmend unter Beschuss aus den eigenen Reihen geraten. Mit ihrem Rückzug kommt sie einem offenen Machtkampf auf dem Podium zuvor. Eine Demütigung, wie die des früheren Vorsitzenden Bernd Lucke, der unter Pfiffen und Buhrufen während des Essener Parteitags im Juli 2015 den Rückzug antrat, wollte sich die damalige Putschanführerin offenbar ersparen. Petry kämpft mit ihren Mitstreitern dieser Zeit – Björn Höcke oder Alexander Gauland aus Brandenburg – längst bis aufs Messer. Die Konflikte sind wohl nur offiziell inhaltlicher Art. Zwar hatte sie sich Anfang des Jahres gegen revanchistische Aussagen Höckes gewandt und dessen möglichen Parteiausschluss vorangetrieben. Doch Petry suchte selbst offensiv die Nähe zu extrem rechten Protagonisten wie Geert Wilders aus den Niederlanden oder Marine Le Pen aus Frankreich. Zudem hatte sie einst auf eine positive Besetzung des Begriffs »völkisch« gedrungen.

Aus Kreisen der AfD wurde schließlich kolportiert, dass Petry als alleinige Spitzenkandidatin in den Wahlkampf ziehen wolle, was zuletzt Vorstandsmitglied Paul Hampel zu verhindern versuchte. »Es ist wichtig, dass bei uns jeder kapiert, dass man nur im Team erfolgreich sein kann, es gibt keine Soloplayer«, sagte er am Dienstag dpa in Berlin.

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